„Unter Preisgabe der Anstrengung ästhetischer Arbeit entstand eine Anstatt-Literatur. ...Brav, still, ausgewogen: eine Literatur zum Aushalten.“

Aus den „Sieben Thesen zur heutigen deutschen Literatur“ von Michael Krüger und Klaus Wagenbach, abgedruckt im vierten Heft der Zeitschrift „Freibeuter“.

Das Schinkel-Jahr 1981

In Berlin wird das Jahr 1981 Preußen und seinem größten Baumeister, Karl Friedrich Schinkel, gehören. Noch im Oktober dieses Jahres eröffnet Berlin-Ost den Reigen der Festlichkeiten mit der Schinkel-Ausstellung im Alten Museum; am 1. März beginnen die beiden West-Berliner Ausstellungen zu Ehren des Mannes, der mit seinen Bauten wie kein anderer das Bild dieser Stadt geprägt hat. Bis zum 13. September 1981 sind unter dem Motto „Karl Friedrich Schinkel – Architektur, Malerei, Kunstgewerbe“ in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg etwa achtzig Stiche aus seiner „Sammlung architektonischer Entwürfe“ zu sehen, dazu fast alle der von ihm erhaltenen Gemälde, das gesamte druckgraphische Werk und 32 Theaterentwürfe. Mit Zeichnungen und Radierungen ist auch der Bühnenmaler Schinkel präsent. Sein Bemühen um die Bildung des öffentlichen Geschmacks wird sowohl durch Entwürfe für kunstgewerbliche Arbeiten als auch durch eigene Arbeiten dokumentiert, darunter ungefähr zwanzig originale Möbel, Silberarbeiten, Eisengußobjekte. Dem Architekten Schinkel und seiner Bedeutung für die Moderne ist die im ehemaligen Kunstgewerbemuseum von Martin Gropius an der Berliner Mauer geplante Ausstellung gewidmet, die dort, ebenfalls im März, einige Monate vor der Preußen-Ausstellung, eröffnet wird. Sie verspricht besonders anschaulich zu werden, weil sie zahlreiche große Modelle von Schinkels Bauten, aber auch von stadträumlichen Situationen enthalten soll. Im Martin-Gropius-Bau wird auch eine mit polnischer Unterstützung und Beteiligung zusammengestellte Dokumentation „Schinkel in Polen“ gezeigt, in der man bisher kaum Bekanntes erfahren wird. Daß die Ehrung Schinkels eine Gesamtberliner Aufgabe ist, macht erfreulicherweise auch der „Führer zum Schinkel-Jahr“ deutlich; im Taschenbuchformat unterrichtet er über sämtliche Aktivitäten in Ost und West.

Peter Seilers

„Er war zweifellos der größte komische Schauspieler seiner Generation“ (Süddeutsche Zeitung), „er war ein Mann der tausend Stimmen und der tausend Masken“ (Die Welt), „er war wandlungsfähig wie ein Kaleidoskop“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Peter Sellers – wohl jeder hat ihn irgendwann einmal gesehen, in einem seiner mehr als fünfzig Filme, ob in Kubricks „Dr. Seltsam“, in den „Ladykillers“ oder in „Der rosarote Panther“. Wer Sellers jedoch wirklich war, das weiß niemand. Nicht einmal er selber wußte es, wie Freunde berichten. Manchmal kenne er seine wirkliche Stimme nicht mehr, sagte er kürzlich. Auf die Frage, wer der Mann hinter, der Maske sei, antwortete er: „Es gab zwar einmal ein Ich, aber ich habe es wegoperieren lassen, weil es mich beim Spielen gestört hat.“ Peter Richard Henry Sellers, geboren. am 8. September 1925 in Southsea (England), starb an seinem vierten Herzinfarkt, nicht lange nach seinem jüngsten Erfolg in Hal Ashbys Satire Being There.

Neuer Mann für Darmstadt

Aufregende Neuigkeiten waren in den letzten Jahren selten geworden – die „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“, in den fünfziger und sechziger Jahren die Schule nicht nur der Nation in Sachen musikalischer Avantgarde, hatten mit am stärksten darunter zu leiden, daß Komposition immer mehr zu einem Wildwuchs der freien Phantasie wurde, deren Ergebnisse sich immer deutlicher als weder kontrollierbar noch mitteilbar, daher also auch nicht lehrbar herausstellten. So dominierten in der jüngeren Vergangenheit immer mehr die Interpretationskurse. Anfang nächsten Jahres wird Ernst Thomas die Leitung des Internationalen Musikinstituts Darmstadt, unter dessen Regie auch die „Ferienkurse“ stattfinden, abgeben; Nachfolger wird Friedrich Hommel werden, der, nach Jahren der Musikkritik (FAZ), zur Zeit noch die Hauptabteilung Musik im Hörfunk des Südwestfunks leitet. Für ihn befindet sich die Neue Musik „keineswegs in der Talsohle“, er zählt sich „zu den Idealisten“, die zuversichtlich glauben, es seien sowohl genügend Talente wie Ideen wie Geld zu deren Verwirklichung vorhanden – Idealisten sollten nicht zu früh und schon gar nicht von außen um ihre Ideale gebracht werden.