Zum Aufatmen ist es noch zu früh. Aber immerhin, in Nordrhein-Westfalen ist die Teuerungsrate im Juli zum erstenmal seit fast zwei Jahren von 6 auf 5,5 Prozent zurückgegangen. Die Entwicklung im größten Bundesland könnte auch diesmal Frühindikator für eine langersehnte Tendenzwende im gesamten Bundesgebiet sein. Experten begründen den Rückgang so: Zum einen ist im Juli 1979 die Mehrwertsteuererhebung in Kraft getreten, so daß die Berechnungsbasis für die Juli-Veränderungsrate 1980. vergleichsweise hoch liegt. Zum anderen sind die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahr weniger gestiegen.

Während die Preisentwicklung zumindest etwas Hoffnung läßt, scheinen die Aussichten für die Situation auf dem Arbeitsmarkt schlechter zu werden. Ein Londoner Wirtschaftsforschungsunternehmen sagt für die Bundesrepublik eine Steigerung der Arbeitslosenrate von 3,8 Prozent im letzten Jahr auf 4,1 Prozent 1980 und sogar 4,5 Prozent für 1981 voraus. Verglichen mit den Nachbarn ist das allerdings noch wenig. In England werden im nächsten Jahr 8,3 Prozent ohne Beschäftigung sein, in den USA voraussichtlich sogar 9,3 Prozent. Vorbildlich ist auch in diesem Bereich Japan, nicht mehr als drei Prozent – so die Forscher – werden dort 1981 ohne Arbeit sein.

Düster ist die Zukunft offenbar auch für Hauptschulabgänger. Ausbildungsbetriebe in Industrie und Handel stellen immer höhere Anforderungen an die Vorbildung. Weniger als die Hälfte der Lehrstellen bleiben für Jugendliche ohne Realschulabschluß, Abitur oder Berufsfachschule übrig. Nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung ist der Anteil der Hauptschüler an den Lehrlingen innerhalb von zwei Jahren um sieben Prozent gesunken.

Relativ besser als den Kollegen in den Nachbarstaaten geht es dem Bundesbürger, wenn er krank wird – zumindest finanziell. 21 Milliarden Mark wurden 1978 für die Einkommenssicherung im Krankheitsfall ausgegeben, das sind 1,6 Prozent des Bruttosozialproduktes. Hinzu kommen noch die Beiträge der Unternehmen zur gesetzlichen Krankenversicherung von knapp drei Milliarden Mark. In Schweden, England, Japan und den USA gibt es dagegen keinen gesetzlich verbürgten Anspruch auf Lohnfortzahlung. Die entsprechenden Leistungen müssen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelt werden. vv