DIE ZEIT

Ein unnötiger Machtkampf

Die Macht der Gewerkschaften – ist sie in Gefahr oder soll sie, ganz im Gegenteil, womöglich noch ausgebaut werden? Weil sich das Stahlunternehmen Mannesmann eine neue Struktur geben möchte, hat es "spontane Arbeitsniederlegungen" gegeben.

Bremen – ein Vexierbild

Kurz vor dem absehbaren Ende der Beweisaufnahme ist es dem Bonner Untersuchungsausschuß fast noch gelungen, dem Bremer Trauerspiel das Satyrspiel nachzuliefern.

Armer Vater Rhein

Vater Rhein ist seit Jahrzehnten ein schwerkranker Patient. Dies hat auch die Aktionsgemeinschaft "Rettet den Rhein" festgestellt, die drei Wochen lang den früheren Strom und heutigen Abwasserträger hinunterschipperte und Wasserproben auf Gifte und Schmutz analysierte.

Terror von rechts

Findigen Spezialisten mag es gelingen, die chemische Formel des Sprengstoffs, die Technik, ja die "Ideologie" des Zündmechanismus herauszufinden; vielleicht wird man sogar eines Tages einen Täter ergreifen.

Unruhen in Zentralamerika: "Krieg ohne Gefangene und Verletzte"

In einer Straße von Guatemala warteten ein paar Männer auf den Dienstwagen von Oberst Natareno, einem Polizeikommandanten, Als er auftauchte, wurden er und seine drei Leibwächter vom Kugelhagel aus den Maschinenpistolen der Guerrilleros getötet.

Zeitspiegel

Die Hungersnot im äthiopisch/somalischen Ogaden scheint dank massiver Auslandshilfe langsam abzuklingen. Doch unterdessen spielt sich weiter südlich, in Uganda, weithin unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, eine noch viel größere Hungerkatastrophe ab.

Großbritannien: Labour-Bild mit Dame

In der Nacht zum 4. Mai 1979 muß es vor vielen Fernsehschirmen in Großbritannien ein Atemstocken gegeben haben, als das Resultat des Wahlkreises Hertford und Stevenage durchgesagt wurde.

Die Handschrift des Kanzlers

Von den vielen äußeren. Eindrücken der Kanzlerschaft Helmut Schmidts bleibt schon jetzt vor allem einer haften: der Kanzler inmitten von Gewerkschaftsvorsitzenden und führenden Industriellen.

Wie solidarisch mit Israel?

1. "Deutsche Solidarität mit Israel" ist ein moralisches Gebot, das sich aus der deutschen Verantwortung für die systematische Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Millionen Juden in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft ergibt.

Naher Osten: Begin im Abseits

Ungelegen, unnütz und sinnlos" sei das Gesetz, mit dem das israelische Parlament, die Knesset, Jerusalem, also auch den arabischen Ostteil, zur Hauptstadt erklärte.

Wolf gang Ebert: Immer im Dienst

"Einer vom SPK. Da kann ich nur lachen. Wenn die wüßten. Altgedienter V-Mann. Spezialisiert auf Hausbesetzungen. Gilt bei der Polizei als rabiater Schläger und, Aufwiegler.

Terrorismus: Wenn Herold warnt

Das Wrack des VW-Golf, in dem am vorvergangenen Freitag die beiden mutmaßlichen Terroristen Juliane Plambeck und Wolfgang Beer bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommen waren, hat sich für die Fahnder des Bundeskriminalamtes als eine wahre Fundgrube erwiesen.

Kernforschungszentrum für den Irak: Geschäft mit Ölgeruch

Es war eine der hinlänglich bekannten "Richtigstellungen", die forsch formuliert sind und dennoch hohl klingen: "Die französische Regierung ist erstaunt über die frei erfundenen Behauptungen und Anschuldigungen, die jüngst über seine nukleare Kooperation mit dem Irak verbreitet wurden, und zwar trotz der von den zuständigen französischen Behörden und Organismen bereits abgegebenen Präzisierungen.

Dokumente zur Zeit: Ungeteilte Hauptstadt Jerusalem

Die heiligen Stätten werden gegen Entweihung und jede andere Beschädigung und alles geschützt, das den freien Zugang aller Religionsgemeinschaften zu ihren heiligen Stätten oder ihre Gefühle im Zusammenhang mit diesen Stätten beeinträchtigen könnte.

Bolivien: Junta noch lange nicht sattelfest

Der Kommandeur der Zweiten Division in Santa Cruz de la Sierra, als "unzuverlässig" verdächtigt und deswegen von Garcia Meza seines Postens enthoben, weigerte sich zu Wochenbeginn, dem Befehl Folge zu leisten.

Abgesahnt & Abgeschrieben

Wie ein echter Baron, ein falscher Konsul und drei Steuerartisten an einer Riesenklinik Millionen verdienten

Gewinne aus Verlusten

Es ist mit ihnen wie mit leichten Mädchen: Einen guten Ruf haben sie zwar nicht, doch sind sie attraktiv. Seit in Deutschland nach dem Krieg wieder Spitzeneinkommen erzielt werden, floriert auch das Geschäft mit Abschreibungsgesellschaften.

Zahnärzte: Auserwählt

Wenn der Zahnarzt Kanzlsperger im niederbayerischen Straubing den Bohere aus der Hand legt, greift er zur Schreibmaschine, um den Zeitläuften auf den Zahn zu fühlen.

An der Elbe Auen

Neulich haben sie ihm vor der Haustür einen Wagen aus der Elbe gefischt. Der Fahrer saß noch am Steuerrad. "Selbstmord", stellte die Hamburger Kriminalpolizei fest.

"Wissen Sie, was Deutschland mal für uns bedeutete? Alles Richtige und alles Gute!": Goethes Mädchen für alles

Nairobi, Hauptstadt der seit 1963 unabhängigen Republik Kenia, siebenhunderttausend Einwohner, vor gerade achtzig Jahren als eine europäische Siedlung entstanden (mit einem Deutschen als erstem Bürgermeister), vom Tourismus überflutete größte Stadt Ostafrikas, die auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild nach wie vor geprägt ist durch Europäer und Inder.

Der zweite Lange Marsch

Es klang wie ein Posaunenstoß, wie ein Befehl, der keinen Widerspruch duldet: "Trinken Sie Tee!" Der alte General begleitet seine Aufforderung mit einer Armbewegung wie zur Attacke einer Kavallerieschwadron.

Keine Wechselbäder für Sparer

Hans Friderichs und seine Kollegen vom Vorstand der Dresdner Bank würden ebenso aufatmen wie Robert Dhom und die Seinen in der Commerzbank oder Wilhelm Arendts und Kollegen in der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, wenn sie.

Gewerkschaften: Zeitung ausgesperrt

Pressefreiheit wird in der Bundesrepublik hochgehalten, ganz besonders von den Gewerkschaften. Wenn es allerdings einmal um das eigene Haus geht, geraten hehre Prinzipien leicht ins Wanken.

München: Brauer gerüffelt

Münchens Brauer verstehen ihren Oberbürgermeister nicht mehr: Im letzten Jahr hatte Erich Kiesl die Bierbosse aufgefordert, ihre Betriebe aus der Innenstadt zu verlegen – und jetzt, als eine Bräuerei Ernst damit machen will, da ist es dem Stadtoberhaupt auch wieder nicht recht.

BONNER KULISSE

Es gab Einladungen auf Büttenpapier, Musik, viele Festreden, im Anschluß einen kleinen Imbiß und schon war wieder eine neue Behörde aus der Taufe gehoben: das Bundeszentrum Humanisierung des Arbeitslebens bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung.

Sauberer Rhein: Zeuge gestorben

Wer, wann und wo es genau gewesen ist, weiß kein Mensch mehr zu sagen. Aber irgendwann Mitte der siebziger Jahre war irgendwo zwischen Bacharach, und Duisburg-Ruhrort ein einsamer Spaziergänger Manns genug, sich dem Ufer des still vor sich hin stinkenden Rheins auf weniger als dreißig Schritte zu nähern.

Mismanagement: Kurzschluß im Kabelwerk

Gerhard Kienbaum bemüht seine militärische Vergangenheit. Er sagt: "Ich war bei der Marine. Wenn da was nicht stimmt, würde ich dazwischengehen.

Europäische Gemeinschaft: Keiner will die Milliarden

Der Waffenstillstand war nur von kurzer Dauer. Kaum hatten sich Europaparlament und Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft ein halbes Jahr nach dem großen Streit um die Agrarausgaben auf ein neues Budget für 1980 geeinigt, da gingen die gewählten europäischen Volksvertreter wieder auf Konfliktkurs.

Frankreich: Zu tüchtig für den Staat

Monatelang wackelte in Frankreichs Industrie einer der begehrtesten, aber auch unbequemsten Stühle. Der Grund: Sein Inhaber hatte zuviel Erfolg.

Warten auf den Durchbruch

Voller Wohlgefallen ruhen die Augen der Veba-Oberen derzeit auf der Beteiligungsgesellschaft Deminex. Das Töchterlein wartet nämlich mit Reizen auf, die eine Mutter immer zu schätzen weiß – es macht Gewinn.

Großbritannien: Erdöl statt Kabeljau

Ob aus weiser Voraussicht oder aus Resignation: Die schottischen Fischer investieren in Nordseeöl. In Aberdeen, dem wachsenden Ölhafen an Schottlands Ostküste, wurde die Fishermen’s Petroleum Company Limited ins Leben gerufen.

Abfallverwertung: Millionen aus Müll

Nur Abfall? Keineswegs!" Mit diesem Slogan wirbt eine Firma für ihren neu entwickelten Heizkessel. Der Wunderkessel verbrennt "Gummi- und Lederabfälle, zerkleinerte Autoreifen, Verpackungsmaterial und vieles andere mehr.

Umweltschutz: Trick der Natur senkt Kosten

Was Gips ist, lernt man in der Schule im Chemieunterricht: ein Gemisch aus Kalk und Schwefel – Kalziumsulfat. Dieser Erkenntnis bedienten sich die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke AG (RWE) und entwickelten daraus ein neues Verfahren für die Entschwefelung von Braunkohlekraftwerken.

Börsen-Report: Entwarnung für Bankaktien

Die Halbjahresberichte der Großbanken haben die Aktienkurse der drei Institute noch weiter auseinandergezogen. Der Kurs der Deutschen Bank stieg in den letzten Tagen auf über 290 Mark.

Gespräche am Bankschalter: Auf dem Weg der Tugend

Die Aktienmüdigkeit privater Sparer zeigt sich am deutlichsten bei den ständigen Rückflüssen der Aktienfonds. Diese können durch einen entsprechenden Neuabsatz von Zertifikaten nicht ausgeglichen werden.

Mehr Information

Voigt: Es ist natürlich bei jedem Gesetz möglich, daß man es bricht. Und es ist bei vielen Gesetzen möglich, daß man versucht, sie zu umgehen.

Messen: München entdeckt die Welt

Werner Marzin, Enfant terrible unter den deutschen Messe-Bossen, hat wieder zugeschlagen. Der Chef der Münchener Messe- und Ausstellungs-GmbH (MMG) brachte in der letzten Woche ein Geschäft unter Dach, das den Aktionsradius seiner Gesellschaft kräftig ausweitet und die Bayern endgültig in der Spitzengruppe der deutschen Großmessen etabliert Vom nächsten Jahr an wird die MMG Alleingesellschafterin der IMAG Internationaler Messe- und Ausstellungsdienste GmbH in München.

MANAGER UND MÄRKTE

Als erstes Mineralölunternehmen in der Bundesrepublik zieht die Deutsche Shell AG Konsequenzen aus dem Überangebot auf dem Mineralölmarkt.

Deutsches Gastgewerbe: Das große Plus der Ferienheime

Im deutschen Gastgewerbe hat sich in den letzten zehn Jahren einiges getan: Von 1970 bis 1979 stiegen die Umsätze in der gesamten Branche von gut 23 auf 44 Milliarden Mark; die Anzahl der Betriebe erhöhte sich in diesem Zeitraum um etwa 20 000 auf 207 000.

ZEITRAFFER

Die allmonatliche Arbeitslosenbilanz aus Nürnberg bringt diesmal wenig Erfreuliches: Im Juli waren 853 200 Arbeitnehmer in der Bundesrepublik ohne Beschäftigung, neun Prozent mehr als im Juni.

Dritte Welt: Aufstand von oben

Nationen, von Ernest Renan als "plebiscite quotidien" – als täglich neue Ab- und Willenszustimmung zur bestehenden Gemeinschaft definiert –, sind jene über hundert neuen Staaten zweifellos nicht, die seit 1947 die völkerrechtliche Unabhängigkeit erlangt haben.

Prognose: Vernunft für das Humane

Die Apokalypse muß nicht stattfinden; unwahrscheinlich ist sie gleichwohl nicht. Dieses Buch ist ein Menetekel. Es gilt einer "Menschheitskrise": In einer einzigen Stunde nur wächst die Erdbevölkerung um 10 000 Menschen; zwischen sieben und zehn Milliarden Menschen bis zum Jahre 2025 sind möglich", so daß das "Gespenst des Verhungerns großer Menschenmassen nicht weggeredet werden kann".

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