DIE ZEIT

Die Last, mit Russen zu verhandeln

Offenbar hat Franz Josef Strauß die Hoffnung, im Oktober Bundeskanzler zu werden, bereits aufgegeben. Denn wenn er damit rechnen müßte, binnen kurzen den Russen als Regierungschef gegenüber zu treten, würde er sie wohl im Wahlkampf nicht ständig als bedrohliche und betrügerische Ungeheuer abstempeln.

Ein heißer Konflikt

In Bonn ist guter Rat teuer: Wie kommt der Kanzler, wie kommen die Sozialdemokraten, wie schließlich kommen auch die Unionsparteien mit heiler Haut davon, wenn der Konflikt zwischen dem Mannesmann-Konzern und der Metallgewerkschaft sich weiter verschärft, sich womöglich sogar in großen Streiks in der Stahlindustrie entlädt? Ein politischer Flächenbrand ist jedenfalls wegen der heraufziehenden heißen Schlußphase des Wahlkampfes nicht auszuschließen.

Ostberliner Nadelstiche?

Für Bonn überraschend, soll der "Arbeitsbesuch" von Helmut Schmidt bei SED-Chef Honecker am 28. und 29. August nicht im beliebten DDR-Ostseebad Dierhagen, sondern im abgeschiedenen Jagdschloß Hubertusstock am Werbellin-See, 50 Kilometer nördlich Berlins, stattfinden.

Nabelschau in New York

Nach dem Parteitag der Demokraten in New York ist es nun offiziell: Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten heißt entweder Ronald Reagan oder wieder Jimmy Carter – es sei denn, dem unabhängigen Kandidaten John Anderson gelänge ein Wunder.

Worte der Woche

"Wenn Helmut Schmidt unter diesen Voraussetzungen irgendwelche Kulturabkommen oder Verkehrsvereinbarungen unterschreibt, dann ist das kein Gipfeltreffen mehr, sondern bestenfalls ein Parterre-Treffen.

Jimmy Carters Triumph über Ted Kennedy

In seinem Gesicht war nichts von der heiteren Gelassenheit zu sehen, die er in den letzten Monaten so oft gezeigt hatte. Mit steinerner Miene trat Edward Kennedy vor die Mikrophone.

Zeitspiegel

Der Oberste Rat der marokkanischen Ulemas hat letzte Woche alle Moslems aufgefordert, sich gegen Ajatollah Chomeini zu erheben.

Krise in Polen: "Sie wollen nur an der Macht bleiben"

Wenn Polens Parteichef Edward Gierek am kommenden Dienstag Bundeskanzler Helmut Schmidt in Hamburg besucht, dann kommt er als Bittsteller: Er bittet um Kredit für ein Unternehmen, dessen Zahlungsunfähigkeit mittlerweile so offensichtlich ist, daß jedes Konkursgericht die Akten wegen offenkundiger Täuschungsabsicht an die Kollegen von der Strafjustiz weiterreichen müßte.

Nuklearstrategie: Absage an die alte Abschreckung

Die bisher nur in Umrissen bekannt gewordene Richtlinie für die Nuklearstrategie Amerikas in den achtziger Jahren gegenüber der Sowjetunion bedeutet den Übergang von der reinen Abschreckung durch Bedrohung der Bevölkerung zur begrenzten Nuklearkriegsführung mit Interkontinentalwaffen.

Israel: Trommelfeuer auf Begin

Menachem Begin, gerade erst von einer neuen Herzattacke genesen, sieht sich pausenlosen Angriffen ausgesetzt, selber verschuldeten wie unverschuldeten.

Wolf gang Ebert: Sommerschlaf

"Warum sind wir eigentlich nicht wahlberechtigt? Wo von der Wahl doch auch unser Schicksal abhängt. Und dem sind wir dann vier Jahre ausgeliefert.

Iran: Henker von Allahs Gnaden

Ich werde euch Ungeziefer ausrotten", schrie der Ajatollah und Scheich Sadegh Khalkhali kürzlich in einem Teheraner Gerichtssaal fünf eingeschüchterte Iraner an, die wegen Drogenvergehen vor dem Revolutionstribunal standen.

Vor der Bundestags-Wahl: Die Macht der Organisation

Der Teil der Wahl, den manche Kenner, aber auch die Zyniker, für den wichtigsten halten, ist nahezu vorüber: Mit der Aufstellung der nordrhein-westfälischen SPD-Landesliste am kommenden Sonntag in Gütersloh endet jene Phase der Kandidatenauswahl und der Vergabe aussichtsreicher Plätze, die Gesicht und Gesichter des kommenden Bundestages so weitgehend bestimmt, daß der Wähler schon einen Erdrutsch auslösen müßte, um beide noch einschneidend zu verändern.

Iran: Auf Premier geeinigt

Am Sonntag stimmte das iranische Parlament mit überwältigender Mehrheit für Rajai, über den wenig bekannt ist. In der Schah-Zeit saß er im Gefängnis, in der nachrevolutionären Regierung wurde er Bildungsminister.

Mit der Bibel

Eine Frau macht in Israel Furore und Politik. Ihr Name ist Geula Cohen (Geula heißt "Hoffnung"). Die heutige 53jährige, die einst Menachem Begin ergeben war, führt eine Zwei-Mann-Fraktion an, die den Regierungschef noch rechts überholt.

BONNER BÜHNE: Für die Freiheit gefallen

Aus dem logisch leicht ableitbaren Vorwurf des Bochumer Historikers Hans Mommsen, Biedenkopf habe eine "Verteidigung des Nationalsozialismus das Wort geredet", erwiderte der CDU-Politiker in einem Brief, auch Mommsen werde wohl nicht anzweifeln, "daß die Männer und Frauen des Widerstandes für die Freiheit gestorben sind".

Türkei: Militär wartet ab

Über 800 Personen waren angeklagt, für die schweren Unruhen in Maras im Dezember 1978 verantwortlich gewesen zu sein, denen mehr als 110 Menschen, hauptsächlich schiitische Alewiten, zum Opfer gefallen waren.

Südkorea: Ende einer Illusion

Die Entwicklungsdiktatur trieb das "Land der Morgenstille in die politische, wirtschaftliche und soziale Krise

Innerbetrieblicher Terror

Der langjährige Arbeiter der Nudelfabrik Nongsim in Seoul erhielt nach allen Abzügen noch einen monatlichen Hungerlohn von 29 000 Won (90 Mark) ausbezahlt.

Modernität ohne "Mitgefühl"

Konfuzius wurde einst von einem Schüler gefragt, was eine gute Regierung benötige. "Genügend Nahrung für das Volk, das Vertrauen des Volkes und ein stark gerüstetes Heer", lautete die Antwort.

Der Zauber um Werbellin

Liebe Gesine, leider muß ich meinen Besuch Ende August bei Ihnen absagen. Sie haben es sicher selbst in den Nachrichten gehört: Unsere beiden Chefs treffen sich nun doch nicht in Dierhagen, sondern am Werbellinsee.

Religionsunterricht: Das Kreuz mit den Noten

Wer von der "voraussetzungslosen Gnade Gottes spricht", glaubt Pfarrer Horst Seeger, der kann in der Notengebung eigentlich nur einen "Schlag ins Gesicht" sehen.

Fernseh-Zeit: Die Programmkiller

Die Herren Albrecht und Stoltenberg dürfen sich die Hände reiben. Politisches wird demnächst im NDR unter einen großen Musikteppich gekehrt.

Zu teuer zum Arbeiten

Rudi Kargus winkte noch einmal ins Publikum des Hamburger Volksparkstadions und ging vom Spielfeld. Beim 4 : O-Sieg über Schalke 04 hatte der Torwart des Hamburger Sportvereins genau das getan, wofür er pro Jahr 300 000 Mark bekam, Tore des Gegners verhindert.

Mißverständnis mit Folgen

Wer sehr feine Ohren hat, konnte in den letzten Tagen zu dem Schluß kommen, der Bundesfinanzminister sei mit der Politik der Bundesbank nicht ganz zufrieden.

DGB-Gegner blasen zum Sammeln

Im Fortbildungszentrum der Landesärztekammer Hessen in Bad Nauheim waren die Doktoren einmal nicht unter sich. Und bei der Podiumsdiskussion, moderiert von dem Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Hugo Müller-Vogg, ging es auch nicht um medizinische Themen.

BONNER KULISSE

Dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Martin Grüner, ist in seiner Eigenschaft als Koordinator der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie nun der Kragen geplatzt.

Trennung auf deutsche Art

Die Kölner Ford-Werke wollen ihre Belegschaft von 57 000 Arbeitern und Angestellten um 6000 Personen verringern. Als Grund gibt der Vorstand die "fortdauernde allgemeine Absatzschwache bei großvolumigen Fahrzeugen" an, "die mittlerweile in vollem Umfang auf die europäischen Export-Märkte übergegriffen hat".

Das Gastgeschenk

Der Kanzler kann dem polnischen Parteichef mit einem Milliarden-Kredit helfen

Zeitliches aus Europa: Brüsseler Spitzen

Nun sind die Bürokraten auf das Huhn gekommen. Bis zum Sommer des nächsten Jahres soll die Brüsseler Kommission nach dem Willen der Landwirtschaftsminister der Europäischen Gemeinschaft (EG) eingehende Untersuchungen über die Haltung von Legehennen in den neun EG-Ländern anstellen und dem Ministerrat Vorschläge zur Verbesserung der Lebensumstände der Frühstückseilieferanten unterbreiten.

Sowjetunion: Ernteschlacht oder Picknick?

Die Medaillenschlacht in Moskaus Olympia-Anlagen war noch nicht zu Ende, da wogte in Moskaus Blätterwald schon eine neue Schlacht: der traditionelle Kampf an der Erntefront.

Frankreich: Das deutsche Vorbild verblaßt

Die Franzosen trauen ihren Augen nicht. Der deutsche Wirtschaftsriese, den man ihnen seit Jahren als unerschütterlichen, bedrohlichen Giganten hinstellt, soll wanken? Das "deutsche Modell", von Premierminister Raymond Barre unermüdlich als Vorbild gepriesen, soll nicht mehr reibungslos funktionieren? Das kann doch nicht stimmen .

Börsen-Report: Voreiliger Minister

Als in der vergangenen Woche Bundesfinanzminister Matthöfer in einem Zeitungsinterview für den 21. August (dann tritt der Zentralbankrat wieder zusammen) eine Diskontsenkung in Aussicht stellte, atmeten die Börsianer auf.

Spanien: Immer mehr Arbeitslose

Spaniens Statistiker haben die Nation geschockt: Zum erstenmal seit dem Tode Francos erreichte die Zahl der Arbeitslosen jetzt knapp 1,5 Millionen.

Der Kumpel kriecht nicht mehr

Wenn das Ungetüm von Schrämmaschine die Kohle losbricht, dann sieht Horst Bartsch seinen Nachbarn nicht. Dichter Kohlenstaub füllt dann das Flöz Zollverein 2/3 auf der Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer, der Lärm der Maschine übertönt jedes Gespräch.

Große Nachteile für viele Familien

Oberbeckmann: Es gibt nach unseren Erfahrungen einen großen Kreis von Sparern, insbesondere Berufsanfänger und geringverdienende Familien, die nur durch staatliche Sparförderung zu regelmäßigem Sparen angehalten werden.

Soziales Netz: Für den Fall des Falles

Die Maschen im Netz der sozialen Sicherheit sind seit Bestehen der Bundesrepublik immer enger geworden. Für die meisten Bundesbürger ist im Alter, bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit weitgehend vorgesorgt.

Der Kleine mit den großen Rechnern

Auf dem Computermarkt in der Bundesrepublik liefern sich die Konkurrenten ein hartes Duell. Mit ihren großen Rechnern hat die amerikanische Firma Amdahl dem Giganten IBM in Deutschland renommierte Kunden abgejagt.

MANAGER UND MÄRKTE

Die Toyota Deutschland GmbH, Tochtergesellschaft des größten japanischen Automobilkonzerns Toyota und auch größter japanischer Autoverkäufer in der Bundesrepublik, will im zweiten Halbjahr 1980 offenbar etwas kürzer treten: Zwei Prozent Marktanteil in Deutschland wird für das ganze Jahr angestrebt, insgesamt 45 000 Toyotas sollen 1980 hierzulande einen Käufer finden.

DEVISENSELLER

Auf den Devisenmärkten hat sich in jüngster Zeit wieder etwas getan. Besonders bemerkenswert ist die Festigung des englischen Pfundes.

ZEITRAFFER

Was Bundeskanzler Helmut Schmidt "noch zu erleben gedenkt" – eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden –, hält das Europäische Gewerkschaftsinstitut (EGI) schon heute für sinnvoll.

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