Von Peter Christ

Rudi Kargus winkte noch einmal ins Publikum des Hamburger Volksparkstadions und ging vom Spielfeld. Beim 4 : O-Sieg über Schalke 04 hatte der Torwart des Hamburger Sportvereins genau das getan, wofür er pro Jahr 300 000 Mark bekam, Tore des Gegners verhindert. Kargus konnte, mit sich zufrieden, nach Spielende in den Katakomben der Fußballarena untertauchen.

Vier Wochen später tauchte der Berufsfußballer wieder auf – in der Arbeitslosenstatistik der Bundesanstalt für Arbeit. Sein bisheriger Arbeitgeber HSV, für den er zehn Jahre das Tor hütete, wollte nichts mehr von ihm wissen. Die langwierigen Verhandlungen scheiterten, weil sich Verein und Spieler nicht über die Laufzeit des Vertrages einigen konnten.

Kargus trug es mit Fassung. Schließlich gehörte er nach Meinung von Fußballfachleuten zu den drei oder vier besten deutschen Torhütern. Die Chancen, in der neuen Fußballsaison wieder für Geld Zwischen den Torpfosten zu stehen, schienen günstig. Denn gute Torleute sind in der Bundesrepublik begehrt.

Doch beim arbeitslosen Kargus dämmerte bald die Erkenntnis, daß er zu einer Problemgruppe gehört, zu den schwer Vermittelbaren. Und das, obwohl er ein anerkannter Könner, gesund, mobil und arbeitswillig ist. Kargus hat ein entscheidendes Manko: Er kostet Geld, viel Geld. 1,5 Millionen Mark Ablösesumme forderte der frühere Arbeitgeber HSV für den Torwart. Dieser Preis ist es, der andere Vereine schreckt. So viel ist selbst in der wenig preisbewußten Bundesliga noch nie für einen Torwart gezahlt worden. Den Rekord hält der HSV, der für den Kargus-Nachfolger Ulrich Stein 750 000 Mark gezahlt hat.

Mitte Juni noch sah es so aus, als ob Torverhinderer Kargus wieder Arbeit in einer Fußballmannschaft finden würde. Eintracht Frankfurt wollte ihn haben. Doch als der Frankfurter Vereinsmanager Udo Klug bei seinem Hamburger Kollegen, dem ehemaligen Nationalspieler Günter Netzer, nach der Ablösesumme fragte und als Antwort unverändert 1,5 Millionen Mark zu hören bekam, war sein Interesse abrupt erloschen. Die Frankfurter verlängerten den Vertrag mit ihrem bisherigen Torhüter Jürgen Pahl, und Kargus meldete sich beim Arbeitsamt.

Seit Juli bekommt er etwas mehr als 1900 Mark Arbeitslosenunterstützung. Genug, um eine Stehplatzkarte kaufen zu können, um den Start der Bundesliga in die neue Fußballsaison an diesem Samstag zu beobachten. Über entgangenen sportlichen Ruhm und immensen Einkommensverlust kann das Geld aus der Arbeitslosenversicherung nicht hinwegtrösten..