Donnerstag, 7. August. Die Boeing 747 der Air Canada hebt in Frankfurt zum Flug 849 nach Edmonton und Vancouver ab. Der Jumbo ist nahezu vollbesetzt: 376 Passagiere und 18 Besatzungsmitglieder.

Knapp eine Stunde ist die Maschine im Bereich der Luftkontrolle Amsterdam. Die Kabinencrew bereitet das Mittagessen vor, Rinderfilet oder Hühnerbrust für die Economy-Passagiere, Seezunge oder Chateaubriand für die Erst-Klass-Flieger. Flughöhe 31 000 Fuß, rund 10 000 Meter.

Urplötzlich schwenkt der gewaltige Jumbo nach rechts. Links zischt ein Militärtransporter vorbei, aus Laiensicht ein paar hundert Meter entfernt, fast auf gleicher Flughöhe, nahezu im rechten Winkel, auf klassischem Kollisionskurs also.

Die Boeing schüttelt sich im Sog des tarnfarbenen Kriegsfliegers, Sekunden später ist der Transporter, eine C-130, im Dunst verschwunden. Die Gefahr ist vorüber, die meisten Passagiere haben nicht einmal etwas gemerkt. Die Vorspeisen werden serviert.

Zwei Stunden später im Cockpit. Captain Gordon White führt den großen Jet. Oh ja, meint er, sie war ziemlich nahe, die andere Maschine, von der Amsterdam Control wohl nichts wußte. Der Pilot lacht. Er ist das Vertrauen in Person, man fühlt sich geborgen. Aber man merkt auch: Das war kein harmloser Spaß für ihn und seine beiden Kollegen. Nein, zu identifizieren war der andere nicht. Er hatte sich über Funk gemeldet, unmittelbar bevor er seitlich aus den Wolken schoß. Beide Piloten konnten noch schnelle Ausweichmanöver machen.

Gordon White ist zornig auf seine Kollegen unter Waffen, auf die Nato-Flieger, die ihre eigene Luftkontrolle haben. Viele Cockpit-Partner in anderen Luftlinien sind es mit ihm. Es ist ein bedrohliches Puzzle in Europas Himmel.

Fünf Stunden später: AC 849 landet sicher in Edmonton. Wir sind noch einmal davongekommen. K. V.