DIE ZEIT

Den Anfängen wehren

Sonntag vergangener Woche: Bombenanschlag auf äthiopische Asylbewerber in Lörrach; zwei Frauen verletzt. Fünf Tage später: Ein Mann bedroht die Insassen eines Ausländerwohnheims in Lahr mit einer Gaspistole.

Und nun: die große Ost-West-Krise?

Zieht in diesem Sommer eine neue weltpolitische Eiszeit herauf – nun auch in Europa und in Deutschland, wo der Klimasturz im Verhältnis zwischen den beiden Weltmächten nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan noch nicht überall durchgeschlagen war? Die Furcht davor ist groß, weil in der polnischen Krise die Würfel bislang nicht gefallen sind.

Bildersturm gegen Mao

Sieben Tage nach dem Machtwechsel in Polen soll in einem anderen kommunistischen Land eine ganze Regierungsmannschaft ausgewechselt werden.

Mit dem Knüppel

Wahlkampf 1980? Während der Ferienmonate ist er lustlos und dümmlich von den Bonner Stallwachen geführt worden. Jetzt aber gürten sich die Kämpen zum Turnier.

"Aus meinem Leben": Ein treuer Diener seiner Partei

Es war alles so schön geplant: Drei Tage vor dem Treffen von Bundeskanzler Schmidt und Erich Honecker am Werbellinsee sollte mit beachtlichem publizistischem Aufwand in Bonn und Ost-Berlin eine Biographie des Gastgebers vorgelegt werden, genau an dessen 68.

Worte der Woche

"Der Bundeskanzler hat einen schweren Fehler begangen, als er im Interesse seiner Wahlkampfplanung zu einer spektakulären Aufwertung der kommunistischen Machthaber und Repräsentanten der Unterdrückung bereit war.

Zeitspiegel

Indiens letzter und fast noch unberührter tropischer Regenwald ist in Gefahr. Die Regierung des südindischen Staates Kerala möchte in Silent Valley einem seit sechs Millionen Jahren immergrünen Tal, ein Wasserkraftwerk bauen, das eine Kapazität von 120 Megawatt haben soll.

Wie Polens Arbeiter das System verändern: Revolution in Millimeterarbeit

Es gibt keinen Stillstand in der Geschichte, die Uhr läuft ständig weiter. Deutlich sichtbar aber wird dieser Vorgang nur in Stufen – nämlich immer dann, wenn plötzlich Ereignisse eintreten, die uns vor Augen führen, daß unsere überkommenen Vorstellungen sich mit der Realität nicht mehr decken.

Wechsel in Warschau: Austausch ohne Gewähr

Edward Giereks zaghaftes mea culpa, verstärkt durch die brutale Säuberung der polnischen Staats- und Parteiführung, ist bei den aufständischen Arbeitern zunächst auf taube Ohren gestoßen.

Chronik der polnischen Ereignisse: "Wir haben lange genug gegen Mauern angeredet"

Sonntagabend im Konferenzsaal der Danziger Lenin-Werft: Parteichef Gierek beendet seine Rede vor den Fernsehkameras. Als die ersten Takte der Internationale erklingen, springen die gut tausend Delegierten der streikenden Arbeiter wie ein Mann von den Stühlen hoch, zwei Finger wie ein V als Zeichen des Sieges in die Luft gestreckt, und stimmen die polnische Nationalhymne an.

Südkoreas neuer Diktator: Blutiger Marsch ins Blaue Haus

Trocken, mit der üblichen Routine, verkündete ein Sprecher der "Nationalen Konferenz für Wiedervereinigung", Chun Doo Hwan sei zum offiziellen Kandidaten für das Präsidenten-Amt der Republik Südkorea gewählt worden.

Wolfgang Ebert: Ehekitt

Dann schwiegen beide wieder traurig. Daß sie immerhin in seine Praxis gekommen waren, wertete er als gutes Zeichen. Sie wollten sich selber eine letzte Chance geben, erklärten die beiden.

Unter den Nordlichtern

Zunächst ist er bei seinem Auftritt kaum auszumachen. Am besten verlängert man wohl die Schußlinie der Kamera-Objektive und Beleuchterlampen: Da, im Schnittpunkt, eingekeilt zwischen Sicherheitsbeamten, Parteifreund den und Photographen muß er wohl sein.

Chinesische Abfuhr für Ronald Reagan

Der republikanische Präsidentschaftskandidat erweckte seit Wochen den Eindruck, als wolle er das amerikanisch-chinesische Verhältnis auf den Stand vor 1979 zurückdrehen.

Spanien: Hungerstreik gegen den Hunger

Was mit uns hier in Andalusien geschieht, erinnert an ein schweres soziales Verbrechen." Mit diesem Satz hat der junge Bürgermeister den ungewöhnlichen Protest beschrieben.

BONNER BÜHNE: Eine Menge Merkwürdigkeiten

Dichtgedrängt, wohl nach einigen Hunderten zählend und ins gleißende Licht vieler Fernsehlampen getaucht, saßen die Bonner Journalisten am Anfang dieser Woche in der Stadthalle von Bonn-Bad Godesberg vor seiner Exzellenz, dem Leiter der Ständigen Vertretung der Deutschen Demokratischen Republik, Ewald Moldt.

Somalia: Amerikanische Wacht am Horn

In Mogadischu und dem strategisch nichtigen Berbera am Ausgang des Roten Meeres sollen Treibstoff und Ausrüstungen gelagert werden, die militärische Operationen in diesem Gebiet logistisch sehr erleichtern würden, Serben ist nur etwa zwei, Flugstunden von den Ölfeldern am Persischen Golf entfernt und verfügt über Reparatureinrichtungen für Kriegsschiffe, Mannschaftsunterkünfte und eine Rollbahn, die auch B-52-Bomber benutzen können.

Reformruine Bremen

Mit einem Paukenschlag beendete der Bremer Universitätskanzler Hans Heinrich Maaß das Sommersemester an Deutschlands umstrittenster Hochschule: In einer Presseerklärung empfahl er dem Rektor den unverzüglichen Rücktritt.

Dreck kostet immer Geld

Es geht also auch anders: Die Scheide Chemie in Brunsbüttel teilte in diesen Tagen mit, daß sie ihren Antrag zurückgezogen habe, Abwässer in die Nordsee kippen zu dürfen.

Banken beugen sich Bonn

Mit der positiven Entscheidung über den 1,2-Milliarden-Kredit an die Volksrepublik Polen haben die Vertreter der privaten Banken im Polen-Konsortium ein neues Kapitel Bankgeschichte aufgeschlagen.

Unterhaltungselektronik: Die Japaner spielen auf

Wer Musik verkaufen will, sollte eigentlich wissen: Der Ton macht die Musik – auch und gerade in der Öffentlichkeitsarbeit. Doch die noch bis Mitte dieser Woche auf der Düsseldorfer HiFi ’80 versammelten Verkaufsstrategen der deutschen "Lust"-Elektronikbranche haben offensichtlich kein Empfinden für das, was draußen gut ankommt und was schlecht.

Bonner Kulisse

In seinem Ärger über die Bereitschaft des Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß, im Streit um die Montan-Mitbestimmung bei der Mannesmann AG den Sozialausschüssen der CDU/CSU und damit auch der SPD und den Gewerkschaften entgegenzukommen, fand Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff zunächst wenigstens noch Trost in der Geschlossenheit seiner FDP.

Großbritannien: Selbst Journalisten streiken

Die Verlagsleitung der Times hat am Dienstag Vertreter der gewerkschaftlich organisierten Redakteure zu Gesprächen eingeladen, um einen Kompromiß in dem Streik zu finden, der seit Freitag das Erscheinen dieses britischen Traditionsblattes verhindert hat.

Verlierer und Gewinner

Den entscheidenden Einfluß auf die Rangliste der hundert größten deutschen Unternehmen hatten nicht ihre Vorstände, Geschäftsführer oder Aufsichtsräte, sondern etliche tausend Kilometer von Deutschland entfernt residierende nächtige Männer: die Ölscheiche am Golf.

Wertschöpfung

In dieser Ausgabe veröffentlicht DIE ZEIT zum fünftenmal exklusiv eine Untersuchung über die Wertschöpfung der führenden deutschen Industrieunternehmen.

Über die Verhältnisse gelebt

Mit dem Jahr 1979 können alle zufrieden sein, die von der wirtschaftlichen Leistungskraft des Daimler-Konzerns profitieren: Die um gut eine Milliarde Mark gewachsene Wertschöpfung des Unternehmens erlaubte es, den Anteil der Mitarbeiter um 729 Millionen auf 6,7 Milliarden Mark zu erhöhen; dem Staat flössen um über zweihundert Millionen Mark höhere Steuereinnahmen zu; die Aktionäre kassierten eine um 27 Millionen Mark höhere Dividendensumme; zur Stärkung seiner Reserven konnte das Unternehmen darüber hinaus noch 39 Millionen Mark mehr als im Vorjahr in der Kasse behalten.

Frankreich: Unheil im Herbst?

Der Streik der französischen Fischer legte wochenlang die meisten Häfen entlang der Küsten lahm. Dabei geht es nicht nur am wirtschaftliche Forderungen, sondern auch um handfeste politische Interessen.

Wir sind keine Behörde

Hüttenrauch: Ich habe damit vor allem gemeint, daß die Stiftung. durch die Mittel, die sie von der Bundesregierung bekommt, gleichzeitig auch in einen haushaltsrechtlichen Status und in eine Abhängigkeit hineingerät, die eigentlich nicht vorgesehen waren.

ZEITRAFFER

Ein geringerer Anstieg der Lebenshaltungskosten wurde im Monat August in Nordrhein-Westfalen festgestellt: Die Teuerungsrate lag im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat bei 5,3 Prozent.

MANAGER UND MÄRKTE

Daß die deutschen Unternehmen der Unterhaltungselektronik sich und ihre Produkte mehr schlecht als recht verkaufen – das ist nichts Neues.

Sprache der DDR: Zurück zu Karl Marx

Karl Marx spricht von der "Maschine des Klassenkampfes", vom "Sterben des Kapitalismus", von der "Garküche der Zukunft". Wenn er von Werten schreibt, benutzt er das Wort "Kristalle", aus seinen Texten stammt die Formulierung von den "Juden in den Poren der politischen Gesellschaft".

Die Stunde der Detektive

Was hat "Jacobskaffee" mit den alten Ägyptern zu tun? Seitdem das neue Heft der "edition text + kritik" vorliegt, mit Werner Schwarzes "Deutungsversuch" einer Erzählung von Arno Schmidt, "Ägyptologie in ‚Caliban über Setebos‘", klingt die Frage nicht mehr so blöd.

Zeitmosaik

Sie haben mir grade noch gefehlt ... Mich wundert nur eins: woher Sie den Mut nehmen; Ihre Unzufriedenheit mit meiner Redaktionsführung anders auszudrücken als durch lautlose Abbestellung des Blattes.

Filmtips

"Der Preis fürs Überleben" von Hans Noever spielt in einer amerikanischen Provinzstadt, Ein leitender Angestellter verliert seinen Job, kauft sich im Supermarkt ein Gewehr und erschießt fünf Manager seiner Firma.

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