Peter ist ein ganz alltäglicher Fall in der "Jugendszene": jemand, der straffällig wurde, dafür Arrest bekam und nun immer weiter bestraft wird. Peter (seinen Namen haben wir geändert) ist 19 Jahre alt, er hat eine Sonderschule besucht und wird demnächst seine Ausbildung als Werbetechniker abgeschlossen haben. Eine Stellung hat er damit noch nicht, denn die Firma, bei der er jetzt noch lernt, will ihn anschließend nicht übernehmen – wegen der Dummheit, die er gemacht hat: Betrunken hat er sich an einem Einbruch beteiligt, bald danach aber selbst der Polizei gestellt, was ihm jedoch nicht viel nützte. Der Richter verurteilte Peter zu zwei Wochen unbedingter Einzelhaft. Eine Sozialpädagogin des Jugendhauses in Fellbach, zu dessen regelmäßigen Gästen Peter gehört, hatte dem Richter vorgeschlagen, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, da der Junge nicht vorbestraft sei. Der Richter lehnte ab; er hielt Peter für "verstockt", weil er die Namen der anderen am Einbruch Beteiligten nicht nennen wollte. Peter, dem niemand gesagt hatte, daß er Berufung einlegen könne, nahm das Urteil an. Über seine "Knasterfahrungen" und einiges mehr berichtete er dem ZEIT-Mitarbeiter und Jesuitenpater Sigmund Kripp, der sich im Jugendhaus Fellbach um die jungen Leute kümmert. Kripp hat den Bericht aufgeschrieben.

Als ich den Arrest antreten mußte, da habe ich noch zweieinhalb Gramm Shit gehabt, die wollte ich unbedingt vernichten, und da habe ich sie gefressen. Ich war noch voll da, aber die beim Knast haben behauptet, ich hätte was gedrückt, ich soll zur Polizei gehen, mich untersuchen lassen, sie würden mich heute nicht nehmen, ich soll morgen wiederkommen. Die waren eiskalt. Ich war von allen möglichen Leuten vollgequatscht, die gesagt haben, ich müsse unbedingt hin. Das sei ganz locker da, zwei Wochen, die würde ich mit links abreißen. – Da hat mich die Frau von der Drogenberatungsstelle wieder heimgefahren, und ich bin am nächsten Tag mit dem Zug hin.

Sie haben mich in eine Einzelzelle gesperrt. Pritsche, Stuhl, Tisch, Toilette, Gitter und keine Arbeit. Da bin ich dringehockt und habe die ganze Zeit gesagt, daß ich was arbeiten möchte, weil man da echt verrückt wird, wenn man den ganzen Tag in der Zelle drinsitzt, man nur für eine Stunde Rundgang am Tag rauskommt. Ich habe tagsüber geknackt, nachts bin ich wachgelegen, hab’ nicht mehr schlafen können. Die letzten vier Tage habe ich gedacht, daß ich jetzt so langsam einen Schatten abkriege in der Zelle, daß ich irre werde da drin, regelrecht verrückt.

Das Schlimmste fand ich, daß ich nicht schaffen konnte. Einmal habe ich mit dem Psychologen geredet. Dem habe ich erzählt, daß ich statt Knast eine Arbeitsauflage beantragt hatte und dies vom Richter abgelehnt worden war. Der Psychologe hat nur gesagt, er könne sowieso nichts machen, er würde eben die Leute kriegen und müßte drauf aufpassen, daß nichts passiert, daß in der Zelle niemand krepiert. Ich habe ihm gesagt, daß dies wohl ein ziemlich undankbarer Beruf sei, wenn er nichts verändern könne und nur aufpassen muß, daß die Leute nicht runterfahren.

Am Tag, wo ich rausgekommen bin, bin ich abends ins Stammlokal und habe mir die Birne brutal zugemacht. Freunde getroffen, erst mal eine Runde begießen. Ich war nicht nur bekifft, ich habe auch einen Trip geworfen. – Am nächsten Tag im Geschäft war ich hackezu, habe keinen Durchblick geschoben. Die haben mich ins Büro gerufen und mir erst mal klargemacht, was für ein Verbrecher ich bin und daß ich die Firma befleckt habe. Solche idiotischen Stories, die keinen Sinn und keinen Zweck haben. Die man auftischt, damit es so aussieht, als ob man selber astrein wäre. Die haben mir auch gesagt, daß sie mich nun nach der Lehre nicht übernehmen können.

Am Wochenende habe ich mir dann die Birne wieder total zugemacht. Shit und Trips. Auch noch am Montag und am Dienstag und dann wieder am Wochenende. Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll. Irgendwann werd’ ich wahrscheinlich dran krepieren. Ich werde halt versuchen, das so lange wie möglich hinauszuschieben.

Die zwei Wochen Knast habe ich wegen einem Bruch bekommen. Wir haben etwas gesoffen, wollten im Städtle Radau machen. Haben Flaschen rumgeschmissen, gegrölt. Vor einem geschlossenen Lokal hat einer gemeint; da gibt’s noch was zum Trinken. Da haben wir halt nur noch ans Trinken gedacht und sind bei einem Fenster hineingekrabbelt. Erst als wir dringestanden sind – wir waren zu viert –, ist mir auf einmal klargeworden, was abgeht.