Auftakt in Bonn

Von Gunter Hofmann

Bonn, im September

Noch zwei Prisen Schnupftabak, während er Horst Ehmke zuhört, ein gleichmütiger Blick über den Bonner Marktplatz, dann beginnt Helmut Schmidt, die linke Hand wie gewohnt in der Blazertasche, mit seiner ersten Rede in diesem Wahlkampf. Das ist ein Test: ruhig, gelassen tritt er auf, wie einer, der nun, nach jahrelangen harten Mühen die Ernte in die Scheuer fahren kann.

Schmidt, man sieht ihm das an, spürt etwas vom Höhepunkt der Popularität, auf dem er sich befindet, kann auch nicht glauben, die außenpolitischen Herausforderungen schlecht gemeistert zu haben, und schon gar nicht scheint ihn die Sorge zu plagen, die Hoffnung auf eine "große Wende", wie Strauß sie verspricht, könne größer sein als die Nachfrage nach Kontinuität, für die er steht.

Bonn ist sein Arbeitsplatz, sagt Schmidt, seit 27 Jahren, und "nun schon wieder seit sechs Jahren mit einer Adresse in der Adenauerallee", also im Kanzleramt. Schmidt sagt dasnicht zufällig so, sondern darin klingt die Grundmelodie an: An mir habt ihr einen, auf den könnt ihr vertrauen!

Der vorläufig versöhnliche Streikausklang in Polen, den Schmidt mit sehr vorsichtiger Zuversicht kommentiert, ragt mitten in diesen Wahlkampf hinein. Schmidt bleibt dabei, Zurückhaltung zu empfehlen – und Kredite. Die Afghanistan-Krise, die andauere, sein Besuch bei Breschnjew, das geplatzte Treffen mit Honecker, aus dem kein "Weg zurück" werden darf, das alles schiebt sich geradezu zwangsläufig ganz nach vorn. Helmut Schmidt als Krisenkanzler: was diesen Aspekt seiner Politik und seines Selbstverständnisses betrifft, kann er sich auf einen, nahezu geschlossenen Rückhalt in seiner Partei stützen.