Der Fuchs, natürlich, ist photogen. Man muß ihn eben nur erwischen mit der Kamera. Und wenn’s nur nach dem Titelphoto gegangen wäre, dieser Bildband hätte wieder das gute alte "Ö-wie-Süß"-Klischee assoziiert, mit dem sich Tierbücher – Auge in Auge mit dem schönen Fuchs – so gut verkaufen lassen. Aber da gibt es über dem Bild noch den Titel: "Rettet die Wildtiere". – Und nun schaut uns der Fuchs, oder täusche ich mich, mit ganz anderen Augen an.

Der Fuchs, der die Gans stiehlt und verspeist, hat die gleiche Unschuld wie das Kaninchen, das am Kohlblatt nagt. Was häßlich ist im Bereich der Tierwelt, kommt von den Menschen, die "wie süß" sagen und sich gleichzeitig darüber beschweren, wenn der Parkplatz zu weit weg ist vom Fuchsbau.

Rudolf Schreiber (Herausgeber), Horst Stern, Wolfgang Schröder, Frederic Vester und Wolfgang Dietzen haben dieses Buch gemacht, in dem das Bild schön, der Text indes anklägerisch ist. Die Autoren bezeichnen dieses Buch als ein "drängendes Anliegen, eine Aufgabe, ein Programm". "Wir wollen mit diesem Buch nicht nur erfreuen und belehren, sondern wir wollen etwas erreichen, etwas verändern."

Was wollen sie erreichen? Sie wollen, daß wir uns "unserer brüderlichen Verantwortung für alle Lebewesen" bewußt werden. Bislang war Tierschutz hierzulande beschränkt darauf, den Nachbarn anzuzeigen, wenn er die Katze quälte oder seinen Hund in der verkoteten Hütte verkommen ließ. Auch fand Grzimek mit seinem populären "Serengeti darf nicht sterben" großen Widerhall bei uns. Die Löwen und Zebras im tansanischen Ngorongoro-Krater waren uns vertrauter als die heimischen Wildtiere, die Hasen oder Birkühner, die Forellen oder die Feuersalamander.

Aber nicht nur in der afrikanischen Savanne, auch bei uns sind "wilde Tiere" bedroht. Und es ist der Mensch, der ihnen ihren Lebensraum zerstört. Er baut neue Straßen, dehnt seine Städte aus und reguliert Flüsse. Tiere ohne Raum. Die Zahl der Tierarten, die im Laufe der letzten Jahre bei uns ausgestorben oder stark gefährdet sind, ist riesengroß.

Der Fischotter zum Beispiel ist Europas am meisten gefährdetes Säugetier. Die Verschmutzung der Gewässer hat ihm die Lebensgrundlage genommen. In der Bundesrepublik leben nur noch wenige Paare in Schleswig-Holstein und im Bayrischen Wald.

"Rettet die Wildtiere" ist ein Bildband, in dem die Bilder um so eindringlicher werden, je genauer man den Text liest.

"Rettet die Wildtiere", Pro Natur Verlag Stuttgart, 240 Seiten, 480 Photos, und Illustrationen, 36 Mark.