Plakativ

Sänfte, duffe, modrige Farbtöne wählt Christine Böer für ihre Theater-Suchbilder. Eingerahmt von einem Vorhang tauchen Bühnenlandschaften auf: Gärten, Grottenausschnitte, Parks und Seen. Wer die Pro-Aspekte aufmerksam betrachtet, findet, Raben undHündchen, Fledermäuse und Löwenköpfe ins Blattgewirr geschmuggelt und versteckt. Die Graphikerin verwendet eine reizvolle, traditionsreiche Bilderbuchidee, die Kinder zum genauen Sehen überlisten soll. Plakative und großflächige Komposition der einzelnen Stichblätter weisen die Autorin als Theatermalerin aus, die lange für die Staatsoper Kostüme entworfen hat. Für das kleine Bilderbuchformat sind die Kulissen manchmal etwas plump geraten.

Christine Böer: "Ich sehe was! Siehst Du es auch?"; Verlag Stalling, Oldenburg; 32 S., 16,80 DM

Köstlich

Drei Schweine-Kids räsonieren über die pädagogischen Dauer-Interventionen Erwachsener und wie man sich davon emanzipieren kann. Fazit: die drei gründen in eigener Regie einen Schutzengel-Club zur Verhütung von Gemeinheit, Unterschleif und Verstößen gegen Fair play. Mit kleinen Pannen betreiben sie private Straßenmission und nennen sich die "Warner von Bockenheim". Erkennungszeichen: selbstgenähte rote Tücher. Die moralische Aktion wird blitzschnell kopiert. Das "Warnen" und Tragen roter Tücher wird in Bockenheim Mode. Da erlahmt der pädagogische Impetus der drei vorbildlichen Schweinchen. Sie beschließen, Schluß zu machen mit der Warnerei und verbuddeln ihren Club-Fummel hinter einem Busch. Hilke Raddatz inszeniert die Komödie in 78 Bildern mit schnoddrigem Witz und subtiler Kenntnis kindlicher Psyche. Treffsicher ist die Milieubeschreibung: Das Streifensofa ist mit Hasenohrenkissen dekoriert, und Mammi stöckelt in gelben Pumps und schwingendem Glockenrock in der Kunsthalle her- um. Ein komisch-köstliches, wunderschön boshaftes Album mit Alltags-Episoden!

Hilke Raddatz: "Die Warner von Bockenheim"; Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim; 48 S., 9,80 DM