Wenn der Ölhafen nur noch tröpfelt, dann soll der "Sprit aus Kohle" die Räder weiter rollen lassen. Die technischen Möglichkeiten, Methanol über Synthesegas aus Kohle herzustellen, existieren. Und die Forscher mehrerer bundesdeutscher Institute und Firmen bemühen sich, diesen einfachsten aller Alkohole – volkstümlich Holzgeist genannt – entweder direkt oder aber über weitere chemische Umsetzungen als Kraftstoff einzusetzen.

Doch trotz aller Anstrengungen können derzeit nur einige Versuchsfahrzeuge an wenigen Tankstellen im Bundesgebiet ein Benzin zapfen, daß 15 Prozent Methanol enthält. Auch die Umwandlung von Methanol in Benzin nach dem Mobil-Prozeß steckt noch in den Kinderschuhen (siehe ZEIT Nr. 31 vom 25. Juli 1980). Dennoch tanken heute schon viele Autofahrer an ganz normalen Zapfsäulen methanolhaltiges Benzin – ohne es zu wissen: Das Methanol fließt verborgen in einer Verbindung mit dem Namen Methyltertiärbutyläther, kurz MTBE, durch die Füllstutzen.

Trotz des komplizierten Namens ist dieser Äther eine einfache chemische Verbindung, die schon seit Beginn des Jahrhunderts bekannt ist. Sie führte jedoch sowohl in der chemischen Industrie als auch in den Forschungslabors fast 70 Jahre lang ein Mauerblümchendasein. Erst als das neue Benzin-Blei-Gesetz anstand und die Höchstmenge des giftigen Anti-Klopf-Zusatzes im Benzin auf 0,15 Gramm pro Liter begrenzt werden sollte, machte das MTBE Anfang der siebziger Jahre Karriere. Damals suchten die Chemiker nach einem Stoff, der die für hochverdichtete Motoren notwendige hohe Klopffestigkeit des Benzins auch ohne den Zusatz von Bleialkylen gewährleisten konnte.

Ein Weg zur hohen Klopffestigkeit ohne Blei führt über einen höheren Anteile aromatischer Verbindungen im Benzin: Stoffe wie Benzol, Tor luol oder die Xylole weisen alle eine Oktanzahl von weit über 100 auf (Superbenzin hat in der Bundesrepublik 98 bis 100,5 Oktan). Diese Aromaten verändern freilich durch ihre relativ hohen Siedepunkte auch das Siedeverhalten des Kraftstoffs. Und da sie zudem als chemische Rohstoffe begehrt sind, verteuern sie das Benzin.

Die Kraftstoffmischer suchten daher einen möglichst preisgünstigen Benzinzusatz, der die Oktanzahl vor allem im unteren Siedebereich verbessert. In diesem Bereich wirkt sich der Wegfall von Bleiverbindungen besonders drastisch aus: Der Motor klingelt und klopft. Gefunden wurde das chemische Aschenbrödel MTBE.

Der Äther mit dem zungenbrechenden Namen siedet bei 55 Grad Celsius und besitzt eine Oktanzahl von über 120 – genau die gesuchten Eigenschaften. Vor zehn Jahren war die Verbindung allerdings – wenn überhaupt – nur zu Liebhaberpreisen erhältlich. Daher entwickelten die Chemischen Werke Hüls ein neues Verfahren zur preiswerteren Herstellung der plötzlich so gefragten Substanz: Bei der Synthese verbanden die Hülser Chemiker Isobuten, einem beim Crackprozeß in Raffinerien anfallenden Spaltprodukt des Erdöls, mit Hilfe eines Katalysators mit einem Stoff aus Synthesegas – eben Methanol – zu MTBE. Das Verfahren erwies sich als besonders vorteilhaft, weil das Methanol ausschließlich mit dem erwünschten chemischen Partner Isobuten reagiert.

Rechtzeitig zum Inkrafttreten des Benzin-Blei-Gesetzes im Jahr 1976 lief dann die erste Anlage mit einer Jahresproduktion von 60 000 Tonnen des neuen Antiklopfmittels an. Zunächst gaben die Spritmischer nur geringe Mengen MTBE zur Verbesserung der Klopffestigkeit im unteren Siedebereich zu. Dank seiner günstigen Eigenschaften und der wirtschaftlichen Herstellungsmethode mauserte sich der Zusatzstoff jedoch allmählich zu einem teilweisen Ersatz für Benzin. So enthalten heute schon einige Benzinsorten 15 bis 20 Prozent der hochoktanigen Verbindung – oder aber, in versteckter Form, etwa sieben Prozent Methanol.