Der törichte Angriff von Innenminister Baum wurde vom Sprecher der Autoindustrie töricht beantwortet

Horst Backsmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), grollt: Da hat Innenminister Gerhart Baum es doch tatsächlich gewagt, das Auto als "Umweltfeind Nummer eins" an den Pranger zu stellen. Und das auch noch jetzt, wo die Branche mit abgeschwächter Nachfrage und schärferer Konkurrenz aus Japan fertig werden muß.

Für Backsmann ist der Vorwurf offensichtlich ein Sakrileg. Der höchste Repräsentant der Autoindustrie in Deutschland hält es deshalb nicht mehr für nötig, dagegen zu argumentieren – ihm reicht Polemik.

Darum wirft der VDA-Präsident in der Welt dem Minister "Feindbilder" und den Aufbau "ökologischer Horrorbilder" vor, spricht von einem "Schildbürgerstreich" und stellt bündig fest: "Die deutsche Automobilindustrie leistet den von ihr allgemein erwarteten Beitrag zum Umweltschutz." Selbst für Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte findet Backsmann Entschuldigungen und schließt: "Es gibt größere Abluftverschmutzer als das Automobil."

Von Problembewußtsein oder gar Bereitschaft zur Problemlösung ist da nichts zu spüren. Dabei hätte es durchaus auch gute Argumente gegen Baum gegeben. Umweltschutz kann in einer Welt mit freiem Wettbewerb nämlich nicht Sache eines Unternehmens sein. Alleingänge würden die Produkte gegenüber der Konkurrenz verteuern und damit benachteiligen. Umweltschutz ist Aufgabe des Gesetzgebers. In Bonn und Brüssel müssen die Entscheidungen fallen, die für eine saubere Umwelt sorgen, nicht in den Vorstandsetagen der Autofirmen. So mag der Innenminister zwar recht haben mit seiner Feststellung, das Auto sei Umweltfeind Nummer eins, ein Appell an die Branche aber ist Unsinn und nur Wahlkampf.

Backsmann hätte also ruhig zugeben können, daß die Verschmutzung der Umwelt und die Lärmbelästigung durch das Auto Probleme sind – und den Schwarzen Peter dann gleich an Baum zurückgeben können. Ja, der VDA-Präsident hätte gar den Minister zu einer Gesetzesinitiative ermuntern können: Denn für den Export in die USA und nach Japan müssen ohnehin niedrigere Emissionswerte eingehalten werden. Umweltfreundlichere Autos brauchen also nicht erst entwickelt zu werden. Es gibt sie schon.

Die richtige Antwort an Baum kann Backsmann wieder einmal bei einem der vielgeschmähten Japaner nachlesen: In einem Brief an den Innenminister hat sich Honda zunächst einmal dafür bedankt, daß Baum von einer japanischen Herausforderung auch beim Umweltschütz gesprochen hat. Darüber hinaus verweist der Importeur des japanischen Autokonzerns darauf, daß in seiner Heimat und in den USA ein "noch umweltfreundlicherer Motor" angeboten wird.