"Auf eine Milliarde mehr oder weniger kommt es doch gar nicht an." Dieses Zitat eines EG-Kommissars stellt der Agrarwissenschaftler Professor Ernst Zurek an den Anfang einer Untersuchung der europäischen Landwirtschaftspolitik, die jetzt unter dem bezeichnenden Titel "Die vorprogrammierte Misere" in Bonn erschien.

Als die Interessenvertreter der Bayern in den europäischen Kabinetten – gemeinhin besser als Landwirtschaftsminister bekannt – 1960 in Brüssel mit ihren gemeinsamen Bemühungen zum Segen des Nährstandes begannen, kostete das den Steuerzahler 9,9 Milliarden Mark. In diesem Jahr dürften nach Schätzung von Zurek die gemeinsame und nationale Agrarpolitik mindestens 65 Milliarden Mark kosten. Die kaum schätzbaren, aber mit Sicherheit ebenfalls milliardenschweren Steuerverzichte und die überhöhten Preise, die den Verbrauchern zum Segen der Landwirte aufgezwungen werden, sind in dieser Summe nicht einmal enthalten.

auf 8,1 Millionen Erwerbstätige zurück.

Die Vorteile dieser Politik, deren Kosten auch weiter in atemberaubendem Tempo wachsen werden, wenn den Agrarministern nicht endlich das Handwerk gelegt wird, konzentrieren sich dabei auf immer weniger Bauern. Trotz der Erweiterung der EG von sechs auf neun Mitglieder 1971 schrumpfte nämlich in den vergangenen zwanzig Jahren die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 1,9 auf 4,8 Millionen. Die Zahl der darin Beschäftigten ging sogar um rund sieben

Inzwischen sind die Agrarminister immer mehr in die Rolle von Zauberlehrlingen geraten, die der Geister, die sie riefen, nicht mehr Herr werden. Die im System des Gemeinsamen Agrarmarktes angelegte Dynamik wird die Gemeinschaft früher oder später in eine finanzielle Katastrophe stürzen.

Der Wahnwitz dieser Politik wird erst dann richtig deutlich, wenn die Sorglosigkeit und die Planlosigkeit, mit der die Milliarden verschleudert werden, an einem Einzelfall illustriert werden. Der auf dieser Seite vorgestellte Landwirt hat mit dem eisernen Schweigen gebrochen, mit dem die grüne Front, die mit ihren Klagen und Beschwerden sonst so gerne an die Öffentlichkeit geht, bisher alle Fragen nach ihren Privilegien beantwortet hat. Wer die Bekenntnisse dieses Bauern liest, wundert sich weder über die immensen Kosten noch über die katastrophalen Fehlschläge der bisherigen Agrarpolitik. Michael Jungblut