Hervorragend

Copperhead: "Copperhead". Der Begriff "West Coast Sound" mag inzwischen zu einem Schimpfwort geworden sein, weil er heute mehr oder weniger synonym ist mit leerlaufender Routine von technisch makellosem Spiel. Aber die Erfinder dieses "Sounds" muß man von solchem Verdacht trotzdem ausnehmen, und zu seinen Erfindern gehört zweifellos auch John Cippolina. Der Gitarrist zählt seit Quicksilver mit seinen unnachahmlichen Vibrato-Effekten und Glissandi, mit seiner solistischen Virtuosität und der Art, in der er der elektrisch verstärkten Gitarre eine neue Sprache beibrachte, zu den großen Originalen des West Coast Rock. Copperhead war eines von Cipollinas vielen, meist kurzlebigen Projekten. Aus Gründen, die nichts mit den oft zitierten "musikalischen Differenzen" zu tun haben, konnte das Quintett sein Potential nie voll entwickeln; die erste und einzige LP der Gruppe erschien, als sie sich schon wieder aufgelöst hatte. Die Produktion ist technisch sicher nicht auf dem letzten Stand, aber im Gegensatz zu vielen Psychedelica der Zeit hat sie keinerlei Patina angesetzt. (CBS 84 483) Franz Schöler Hörenswert

Ludwig van Beethoven: "Violinkonzert". Das Früh-Talent und sein Mentor – Anne-Sophie Mutter und Herbert von Karajan. Anders aber als auf der ersten, der Mozart-Platte erweist sich hier die junge Künstlerin den versüßlichenden Tendenzen des Meisters gegenüber standhaft: Sie spielt ihren eigenen Stil. Und das führt zu merkwürdig schillernden und nicht ganz heterogenen Ergebnissen, auch im Solo-Part selber. Da wechseln Passagen, die nur noch einen Hauch von Ton geben, ab mit solchen (wie etwa der Kadenz), die fast als Brutalität dem Instrument gegenüber wirken, Strecken, in denen das Orchester wie uninteressiert Begleitmusik zu liefern scheint, mit solchen, wo außerordentlich intensiv musiziert wird. Allgemein: sehr breite Tempi, die das Konzert schwerfällig klingen lassen, aber dann doch auch wieder es möglich machen, daß sich der Ton entwickeln und bewußt machen kann. Daß die junge Dame auch die komplizierten Phasen mit atemraubender Sicherheit bewältigt, fällt fast schön nicht mehr auf. (Anne-Sophie Mutter, Berliner Philharmoniker, Leitung: Herbert von Karajan; DG 25 31 250). Heinz Josef Herbort