Der Bürgerkrieg in El Salvador eskaliert von Tag zu Tag. Seit Jahresbeginn hat er über 6000 Opfer gefordert – nicht gerechnet die "Verschwundenen".

Eine politische Lösung scheint nicht in Sicht; mehrere tausend Salvadorianer sind über die Grenze geflohen, und seit einigen Wochen beteiligen sich Söldnergruppen aus den benachbarten Militärregionen an den Kämpfen.

Die Lage ist heillos verworren. "Links" steht die "Demokratisch-Revolutionäre Front" (FDR), ein politisches Bündnis, das über drei Kampforganisationen befiehlt. "Rechts" stehen paramilitärische und rechtsextremistische Verbände, die vom Ausland unterstützt werden. Sie machen gemeinsame Sache mit dem Militär, das offiziell der militärisch-zivilen Junta untersteht.

Die Junta, von links und rechts gleichermaßen unter Beschuß, ist isoliert, zumal sie sich – um "Ruhe und Ordnung" wiederherzustellen – auf Militär und Polizei stützt, die sich deren Befehl entziehen. Die eingeleiteten Reformen werden von rechts unverhohlen sabotiert.

Die FDR hat angekündigt, daß sie als "einzige politische Alternative" bis zum Sieg durchhalten will. Ein Generalstreik, der die allgemeine Volkserhebung einleiten sollte, ist ihr mißlungen.

Politische Hilfe – außerdem Waffen und Geld – erhält die Junta in erster Linie von den Vereinigten Staaten (außerdem von vier lateinamerikanischen Staaten). Die Bonner Absicht, der Junta die Unterstützung aufzukündigen, hat zu einer Verstimmung mit Washington geführt; die Regierung Carter will nicht ein Regime fallen lassen, das "Reform gegen Revolution" durchsetzen wollte.

Je länger die Unruhen andauern, desto größer ist freilich die Gefahr, daß in Salvador die "Entscheidungsschlacht" zwischen Revolution und Reaktion ausgetragen wird. bi