Schon sein Vater war nicht gut beraten, als er sich auf ein abenteuerliches Unternehmen einließ, das schlecht für ihn ausging. Als er starb – nicht im Kampf, sondern am Sumpffieber –, war der Sohn, den der Vater nie gesehen hatte, zwei Jahre alt. Später, inzwischen 16 Jahre alt, wollte der Sohn, der bei seiner Mutter und seinen bayerischen Verwandten aufwuchs, Ansprüche geltend machen, die an das große Erbe seines einst so mächtigen und erfolgreichen Großvaters anknüpften. Vergebens riet die Mutter ihm ab.

Die Ansprüche waren nicht aus der Luft gegriffen, sondern bestanden durchaus legal. Nur war die politische Situation alles andere als günstig, um die Ansprüche auf sein Erbe, ja nur auf einen Teil desselben, mit Erfolg durchzusetzen.

Aber vielleicht gerade deswegen, das heißt, weil er es dennoch versuchte und sich mit einer viel zu kleinen Streitmacht aufmachte, sein ihm vorenthaltenes Erbe zurückzuerobern, fand er so viel, jubelnden Beifall. Was den Menschen so sehr imponierte, war seine Jugend, war die Unbedingtheit seines politischen Willens, waren nicht zuletzt seine vorbildliche höfische Erziehung, seine Bildung; gerühmt wurde sein ganz ausgezeichnetes Latein.

Auf seinen Gegner aber konnte das alles keinen Eindruck machen. Und die viel zu schwache Streitmacht des Jünglings wurde bei der ersten Begegnung geschlagen, und ihre Reste wurden in alle Winde zerstreut. Zwei Wochen lang irrte der Sechzehnjährige umher, vergeblich versuchend, sich auf ein Schiff zu retten. Schließlich geriet er in Gefangenschaft, und die, die ihn gefangen hatten, verkauften ihn an seinen Gegner.

Und dann wurde ihm – gegen alle Gepflogenheit damaliger Kriegführung – ein Prozeß gemacht, zusammen mit einigen der letzten seiner Gefährten. Sie alle wurden nicht als Kriegsgefangene, sondern ohne die gebotene Ritterlichkeit als Hochverräter und Majestätsverbrecher behandelt und dementsprechend angeklagt. Es heißt, daß drei der eingesetzten Richter sich für ihren Freispruch einsetzten und nur einer die Todesstrafe forderte. Sein Todfeind folgte dem Antrag des vierten Richters,

So wurden die Kriegsgefangenen gegen alles Recht wie Verbrecher zum Tode verurteilt. Und. nicht mur dies; ebenfalls Verbrecher mußten sie zur Richtstätte auf dem Marktplatz einer großen Stadt gefesselt hinter den Wagen der Richter und des Scharfrichters gehen. Auf dem Schafott wurde noch einmal das Todesurteil verlesen. Er kam als erster an die Reihe. Er legte sein Obergewand ab und betete. Danach wandte er sich an den Scharfrichter und sagte: "Ich verzeihe dir, daß du mich tötest". Dann schlug der Scharfrichter ihm mit dem Schwert den Kopf ab. Nach ihm starben seine mitangeklagten Freunde.

In vielen Ländern und Städten herrschten über den Tod des Sechzehnjährigen Trauer und Empörung. Aber im Grunde waren es eben doch nur seine Anhänger, die fragten: "Warum geht die Welt nicht unter, warum verdunkelt sich nicht aller Glanz, nachdem so Furchtbares geschehen ist?"