Bakterien bedrohen Bohrinseln und andere meerestechnische Geräte aus Stahl. Dem englischen Fachblatt New Scientist zufolge entdecktes Eric Sjoberg und Anthony Bark vom Londoner Chelsea College sogenannte sulfatabbauende Bakterien auf den Oberflächen von stählernen Testplatten, die in 20 Meter Wassertiefe an einer Bohrinsel in der Nordsee angebracht worden waren. Diese Mikroben leben gewöhnlich im sauerstoffarmen Schlamm am Meeresboden, wo sie Sulfate (Salze der Schwefelsäure) abbauen. Besiedeln die schwefelliebenden Bakterien untergetauchte Metalloberflächen, dann können zwei Produkte ihrer Aktivität Korrosionsschäden hervorrufen:Die entstehende Schwefelsäure ätzt mit Leichtigkeit Flußstahl (der übliche, flüssig gegossene Stahl) und der freigesetzte Wasserstoff trägt zur Versprödung der metallenen Oberflächen bei. Warum die Mikroben auch in sauerstoffreichem Wasser gedeihen, ist unklar. Vielleicht sind eisenhaltige Oberflächen, wie Sjoberg vermutet, für die Einzeller so attraktiv, daß sie sich an die neue Umgebung leicht anpassen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müßten Bohrinseln künftig mit einem Schutzüberzug versehen werden. Denn manches meerestechnische Gerät, das zwanzig Jahre halten sollte, ist zum Entsetzen der Bohringenieure schon nach zehn Monaten zerschlissen.

Schäden durch Schwefelsäure, die wahrscheinlich von Bakterien der Gattung Thiobacillus verursacht werden, beklagen auch die für Abwasserrohre aus Beton zuständigen bundesdeutschen Bauämter. Jetzt soll ein Forschungsprogramm unter der Leitung der Hamburger Universitätsprofessoren Eberhard Bock und Wilfried König den Ursachen der Betonkorrosion, die allein in der Hansestadt Schäden in Millionenhöhe verursacht, auf den Grund gehen. GH