Der Herr Joyboy ist ein Kosmetiker für Leichen. Dennis Barlow dagegen ist ein britischer Poet. Als Drehbuchschreiber hat man ihm in Hollywood den Laufpaß gegeben, so daß er, um sich über Wasser zu halten, Angestellter eines Begräbnisinstituts für Haustiere wird. Während er Katzen, Möpse, Ziegen und Schimpansen einäschert, übt Mr. Joyboy die bildende Kunst an menschlichen Kadavern aus. Diese Leichen tragen einen beseelten, ja verzückten Ausdruck zur Schau, was damit zu erklären ist, daß der Herr Joyboy einer Angestellten seine Zuneigung äußern will, die für Haut, Haar und Fingernägel zuständig ist. Um sie, Aimée Thanatogenos, wie sie anzüglicherweise heißt, bemüht sich auch der Dichter Barlow, indem er ihr berühmte, ja klassische Verse als die eigenen überreicht. Mit beiden Männern in Lauerstellung kommt Miss Thanatogenos nicht zu Rande. Sie sucht Lebenshilfe bei einem Briefkastenonkel, der ihr, entlassen und betrunken, den Rat gibt, aus dem Leben zu scheiden. So belehrt, spritzt Aimee sich in Joyboys Arbeitsraum Gift in die Adern. Den Skandal im Auge, daß im Totensaal eine ungebuchte Tote auftaucht, schleppt Mr. Joyboy, auf Dennis’ Vorschlag, Aimées Leichnahm ins Tierkrematorium, wo der Poet, das arme Ding im Backsteinofen den Flammen überläßt.

Das ist nicht alles, was in diesem bösartigen Buch vorkommt. Das Hauptthema ist die Begräbnisindustrie, die etwa einen Poetenwinkel, Rodins Denker in Marmor, die Kopie einer alten Oxforder Kirche, eine nackte, mit Schleifen gefesselte Andomeda, und was der lauschigen Dinge mehr sind, auf dem Friedhof anzubieten hat. Nancy Mitfords Reportage hat hier Pate gestanden; nur treibt Waugh mit diesen, an sich schon nicht geheuren Tatsachen insofern sein besonders schlimmes Spiel, als er eine vermeintliche Liebesgeschichte, Hollywoods britische Kolonie und Mr. Joyboys, von der Mutter beherrschten Kleinbürgerhaushalt mit den Totenreichen, sei’s der Menschen, sei’s der Tiere, vermengt. Die angepinselten Leichen wirken nicht lebloser als diejenigen, die sie anpinseln. Miss Thanatogenos bereitet sich zum Beispiel auf einen Besuch bei Herrn Joyboy vor: "Mit ruhiger Hand vollführte Aimée die vorgeschriebenen Riten der Amerikanerin, die ein Rendezvous hat. Sie puderte sich unter den Armen mit einem Mittel, das die Schweißdrüsen, verstopfte, gurgelte mit einem anderen, das den Atem erfrischt, und bürstete ein paar wohlrieche Tropfen ins Haar aus einer Flasche mit der Aufschrift Dschungelgift." Es folgt der Reklametext für die Parfümkreation.

Aimees eigentliche Arbeit, die an den Leichen, mutet nicht viel anders an: "Dann zog sie den Rollstuhl heran, auf dem sich die Creme- und Schminktöpfchen und ihre Pinsel befanden, und konzentrierte sich atemlos auf den schwierigsten Teil ihrer Aufgabe. – In zwei Stunden war die Hauptarbeit getan, Kopf, Hals und Hände hatten ihre volle Farbe wieder. In dem grellen Licht ihres Arbeitszimmers schien der Ton etwas zu hart, die Patina etwas zu dick zu sein, aber ihr Werk war für das bernsteinfarbene Licht des Schlummerraums und das gebrochene Licht der Kapelle bestimmt."

Man kann nicht nur, man soll auch zweifellos das Antünchen von Leichen symbolisch verstehen. Gleichzeitig aber hat Waugh kaum Mühe, diese Symbolwelt in eine Realität zu betten, die an sich schon einen absurden, rouge- oder cremefarbenen way of life entläßt. Nicht einmal Barlow, der Dichter und Tierverbrenner, bleibt frei von Tücke und Zynismus, wie überhaupt das ganze Buch von dem Gelächter ausgelieferten Karikaturen und Hohlformen nur so strotzt. Isoliert und günstig stehen allein jene klassischen Verse da, mit denen Dennis seine Aimée fälschlicherweise beschenkt.

(dtv 1544, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 1980; 118 S.; 4,80 DM.)

Hans Platschek