DOKUMENTE ZUR ZEIT

Die Abschlußerklärung von Streikführer Lech Walesa hat folgenden Wortlaut:

Wir freuen uns, daß unsere Gespräche, die am Anfang schwierig waren, später im Geiste einer immer besseren Verständigung und des Suchens nach dem besten Ausweg aus dieser schwierigen Situation im Lande verliefen. Ich kann mit Zufriedenheit sagen, daß wir unseren Streik ohne Kraftanwendung auf dem Wege der Gespräche und des Suchens beendet haben. Wir haben gezeigt, daß die Polen, wenn sie wollen, sich immer untereinander verständigen können. Das ist also ein Erfolg für beide Seiten. Wir werden uns daran erinnern.

Wir rechnen darauf, daß das, was unterzeichnet wurde, genau und voll eingehalten wird. Ich bin sicher, daß das für das Land gut ist. Und jetzt will ich mich an alle wenden, die mich hören. Ihr Lieben, wir kehren am 1. September zur Arbeit zurück. Wir wissen alle, an was uns dieser Tag erinnert, woran wir an diesem Tag denken – an das Vaterland, an die nationale Sache, an die gemeinsamen Interessen der Familie, die Polen heißt. Wir haben daran viel während unseres Streiks gedacht. Eben daran haben wir gedacht, als wir diesen Streik beendeten. Haben wir alles erreicht, was wir wollten, was wir erstrebten, wovon wir träumten? Ich spreche immer ehrlich und offen aus, was ich denke. So sage ich das auch jetzt ehrlich: nicht alles. Aber wir wissen alle, daß wir sehr viel erreicht haben. Ihr habt die ganze Zeit Vertrauen zu mir gehabt. Also glaubt mir, was ich euch sage. Wir haben alles erreicht, was wir in der gegenwärtigen Situation erreichen konnten."

Walesa fuhr fort: "Wir werden auch den Rest erreichen, denn wir haben die wichtigste Sache, unsere unabhängigen selbstverwaltenden Gewerkschaften. Das ist unsere-Garantie für die Zukunft. Wir haben nicht nur für uns, für unsere eigenen Interessen, sondern fürs ganze Land gekämpft. Ihr wißt alle, wie groß die Solidarität der Arbeiterschaft des ganzen Landes mit unserem Kampf war. Im Namen aller streikenden Belegschaften will ich allen denen, die uns unterstützt haben, sagen: Wir haben zusammen gekämpft, wir haben auch für euch gekämpft, weil wir ja das Recht zum Streik erkämpft haben. Wir haben sichere Bürgergarantien und das Wichtigste: Wir haben das Recht auf unabhängige Gewerkschaften erkämpft. Alle Arbeitenden haben das garantierte Recht auf freiwilligen Zusammenschluß in Gewerkschaften, also das Recht auf unabhängige selbstverwaltende Gewerkschaften. Und jetzt, mit der gleichen Solidarität und Besonnenheit, mit der wir gestreikt haben, kehren wir zur Arbeit zurück. Ab morgen beginnt das Leben unserer freien neuen Gewerkschaften. Achten wir darauf, daß sie immer unabhängig und immer selbstverwaltend bleiben, daß sie für uns alle arbeiten, für das Wohl des Landes, für Polen. Ich verkünde den Streik als beendet. Danach stimmte Walesa die polnische Nationalhymne an, beginnend mit: Noch ist Polen nicht verloren."

Während der Unterzeichnungszeremonie und nach Absingen der Nationalhymne fügte Walesa noch hinzu: "Bitte, ich nutze die Pause aus und möchte Ihnen, Herr Premier und allen Kräften, die es nicht zugelassen haben, daß die Angelegenheit irgendwie durch Gewalt erledigt wurde, noch einmal danken. Wir haben uns wirklich verständigt, wie ein Pole mit einem Polen, ohne Gewaltanwendung, nur und ausschließlich in Gesprächen, in Verhandlungen, mit kleinen Zugeständnissen, und so soll es auch immer sein. Denn es ist nicht einfach und nicht leicht, Gewalt anzuwenden.

Wir verstehen jetzt, daß das jedoch unsere gemeinsame Sache ist, und gemeinsam müssen wir das alles wieder aufheben, was umgeworfen wurde. Wir müssen einige Dinge nachholen, das ist eine Tatsache. Wir müssen uns vor allem wie Herren auf dieser Erde fühlen und wir werden uns so fühlen und wir werden arbeiten. Ich, dem ihr vertraut und geglaubt habt, sage, daß ich alles tun werde, damit das so geschieht. Ich weiß, daß ihr mir helft, und wir tun das. Das ist wirklich eine große Sache, hier gab es keine Gewalt. Alles wurde so erledigt wie es sein sollte. Unsere beiderseitige bewußte Haltung hat dazu geführt, daß die Kräfte, die irgendeinen gewaltsamen Ausweg vorgeschlagen hatten, nicht gesiegt haben. Gesiegt haben Vernunft und Besonnenheit, die Sie, Herr Premier Jagielski, und eine vernünftige Gruppe, wie ich annehme, und wie wir alle wissen, gezeigt haben."