Wie Bremer Bürger im indischen Poona mit großem Erfolg helfen

Von Anna Dünnebier

Nach Poona wollen Sie? Ach so, in den Ashram." Falsch, aber wie soll man hierzulande jemandem erklären, daß man in Poona, einer indischen Millionenstadt mit Industrie und aktiven Gewerkschaften, mit Slumproblemen und traditionsreichen Tempeln, mit Theatern, einer lebendigen Frauenbewegung, mit dem größten Filminstitut Asiens und einigen Dutzend Zeitungen auch etwas anderes vorhaben kann als zum Wallfahrtsort; der streßgeplagten deutschen Schickeria zu pilgern? Poona hat bei uns seinen Ruf weg. Poona ist der Ort, wo die Orange-Gekleideten leben, wo die Renzi verprügelt wurde und der Elten seine Erleuchtung fand.

Meine drei Mitreisenden und ich suchen weder Prügel noch Erleuchtung. Wir reisen in Sachen "Städtesolidarität Bremen–Poona", eine Städtepartnerschaft mit drei Besonderheiten: Der Partner ist eine Stadt in der Dritten Welt; die Partnerschaft wurde nicht von zwei Bürgermeistern mit Sekt aus der Taufe gehoben, sondern von Bürgern, einzelnen Personen, ganzen Familien und Organisationen wie Terre des Hommes und der Bremer Behinderten-Werkstatt Martinshof. Dritte Besonderheit: diese Partnerschaft steht nicht nur auf dem Papier, sondern sie funktioniert.

Einer der ersten Besucher im vorigen Herbst war ein Arzt aus Poona. Er kam nach Bremen, um gemeinsam, mit dem Martinshof eine Behindertenwerkstatt in Poona zu planen.

Keine Einbahnstraße

Auf unsere Reise können wir nun eine Einladung vom Martinshof an eine Gruppe von 20 bis 30 Behinderten mit Familien mitnehmen, einen Monat in Bremen zu verbringen. Die Inder könnten von den Erfahrungen des Martinshofs profitieren: Eltern von Behinderten haben ihn geplant und gebaut, erst später übernahm die Stadt die Finanzierung. Die Bremer ihrerseits möchten von den Gästen erfahren, warum Behinderte in Indien nicht so leicht zum "Außenseiter" werden, die Familie, die Schule offenbar eher als bei uns bereit ist, Behinderte zu tolerieren.