Von Horst Bieber

Wyhl ist längst allen Bundesbürgern ein Begriff geworden. Im Lande der liberalen Tradition (und freien Wählervereinigungen) formierte sich zum ersten Mal Widerstand gegen ein Atomkraftwerk, der das St.-Florians-Prinzip ("sei ein guter Mann, zünd’ das Haus des Nachbarn an") überwand. Mit und nach Wyhl wurde eine bundesweite Bewegung gegen Kernkraft möglich.

Gorleben bedarf ebenfalls keiner Erläuterung mehr. Die atomare Entsorgung (mit Wiederaufarbeitung), die im Ostzipfel Niedersachsens in Form einer gigantischen Anlage gesichert werden sollte, hat sich als Nadelöhr aller Atomprogramme herausgestellt, weil die Anti-Kernkraft-Strömung erzwungen hat, daß diese Voraussetzung des Gesetzes stärker als zuvor beachtet wird.

Nicht der Widerstand in der Öffentlichkeit, sondern das jahrzehntelange Zuwarten der Industrie hat dazu geführt, daß die Entsorgung ungesichert und der Ausbau der Kernenergie momentan gestoppt ist.

Dies sind die drei Hauptthesen von:

Dieter Rucht: "Von Wyhl nach Gorleben. Bürger gegen Atomprogramm und nukleare Entsorgung"; Verlag C. H. Beck, München 1980; 280 S., DM 19,80

Es sind Thesen, die in knapper – gelegentlich zu knapper – Form vorgetragen und belegt werden. Rucht schreibt also nicht zum ersten Mal, aber in bislang selten erreichter Dichte einen historischen Abriß des "Atomkraft – Nein danke"-Widerstands.