Germanisten aus aller Welt trafen sich zu ihrem sechsten Kongreß in Basel

Von Rudolf Walter Leonhardt

Daß die Milz 130 Gramm wiegt und daß Günter Grass vom Neoplatonismus beeinflußt sei (und das auch noch vor allem wegen der Rolle der Frauen in seinem Werk), waren die ersten Lehren, die mir in Basel zuteil wurden.

Zum sechsten Male hatte die "Internationale Vereinigung für Germanische Sprach- und Literaturwissenschaft" zu ihrem alle fünf Jahre stattfindenden Kongreß eingeladen, diesmal nach Basel, Vorher hatten die Kongresse in Rom (1955) stattgefunden, in Kopenhagen (1960), in Amsterdam (1965), in Princeton (1970) und in Cambridge (1975).

Der "IVG" gehören Universitätslehrer aus aller Welt an. In Basel kamen ihrer 622 angereist: 150 aus der Bundesrepublik, 106 aus dem gastgebenden Land, 64 aus den Vereinigten Staaten, 35 aus Holland, 31 aus Großbritannien, 23 aus Japan. Aber auch die sozialistischen Länder waren, in geringerer Zahl, vertreten: Aus der Sowjetunion, wo, wie man uns sagte; die Germanistik in Blüte steht und Deutsch (nach Englisch) die zweite Fremdsprache ist, war freilich nur einer gekommen; dafür aus Rumänien und aus der Tschechoslowakei je zwei, aus Ungarn und aus Jugoslawien je acht, aus Polen gar vierzehn. Auch die DDR, die vor fünf Jahren in Cambridge nicht vertreten war, hatte vierzehn Gelehrte der Deutsch-Wissenschaften entsandt.

Die Belehrungen über die Milz und andere lebenswichtige Organe rührten daher, daß immer etwa zwölf Veranstaltungen parallel liefen. Dafür gab es im Universitätshauptgebäude nicht Platz genug. Und so wurde denn auch in die Räume der Pathologie ausgewichen, wo Wandtafeln germanistikfremde Informationen verbreiteten.

Der Kongreß der 283 Kurzreferate