Als Konkret-Herausgeber Hermann Gremliza kürzlich über einen Neuerwerb seines Verlages berichtete, unterbrach ihn der Redakteur der linken Tageszeitung (taz). Gremliza hatte gemeint, nun sei er mittlerweile wohl so etwas wie ein linker Zeitungstycoon geworden. Das Wort Tycoon mußte sich der toz-Reporter erst einmal buchstabierenlassen. Dann aber konnte! er berichten: Gremlizas "Neuer Konkret Verlag" hat die Satirezeitschrift Pardon gekauft. Henning Venske, einst von den Hamburgern als "Kalauer-König" gefeiert, inzwischen aber von nahezu allen Funkhäusern mit Auftrittsverboten belegter Ex-Discjockey, soll fortan die alte Pardon mit neuem Leben erfüllen.

Mit nur drei weiteren Mitarbeitern will er schon Mitte Oktober das erste Heft herausbringen! Die alte Pardon soll in dieser Ausgabe nicht mehr wiederzuerkennen sein, höchstens die ganz alte. "Denn die war ja mal eine gute Zeitung", sinniert Venske beim Gespräch im "Funk-Eck", einem Café an Hamburgs Rothenbaumchaussee, wo die Kellnerin ihn noch aus seinen besten Tagen kennt.

Er ist kein lustiger Typ, will es auch nie gewesen sein. Das hätten Leute ihm angehängt, die ihn überhaupt nicht kannten, erzählt er. Jedenfalls spricht er heute auffällig zurückhaltend, formuliert seine Sätze gerade so, als sei er Pressesprecher einer großen Partei. Venske, der einst als Rundfunkmoderator alberte: "Nein, Helmut Schmidt läßt sich bei Kabinettssitzungen nicht von Eddie Constantine vertreten", will eigentlich noch gar nichts über das Konzept für die neue Pardon sagen. Erst nach längerem Fragen gibt er mit heftiger Bitterkeit Grundsätzliches von sich: "Auf jeden Fall werden wir oppositionell sein, und antiautoritär. Wer immer regiert, wird das spüren müssen." Und: "Satire kann nie reaktionär sein, sie kann nie auf der Seite der Polizei stehen."

Das klingt pathetisch, wirkt so, als solle Pardon nur auf einer schmalen politischen Linie Polemik betreiben. Doch Venske wehrt ab. Er habe nie nur geblödelt. Seine Späße seien immer politisch gewesen. Bester Beweis: Schließlich sei er der meistgefeuerte Moderator Deutschlands.

Die vielen Rauswürfe – man spürt es deutlich – haben ihn mißtrauisch gemacht gegenüber den "offiziellen Medien". Kein Wunder. Der "Morddeutsche Rundfunk", wie Venske "sein" Haus auf einer Schallplatte nannte, ließ ihn seinerzeit nach zwei erfolgreichen Jahren als Moderator von "Musik aus Studio B" nicht länger das eigene Nest bekleckern. Den NDR-Hierarchen gefielen Venskes Funksprüche nicht, vor allem jene nicht, die Sendung und Sender selbst auf die Schippe nahmen. "Mancher Programmgestalter wäre gerne ein Lorbeer", hatte Venske gedeutelt, da könnte er sich auf sich selbst ausruhen."

Roy Black, damals noch Liebling der Saison, mußte sich vom Ansager Venske nach dem Auftritt ein zünftiges "Schmalz, Gott erhalt’s" nachrufen lassen. Und selbst die Damen des Fernsehballetts, Deutschlands beliebteste Halbnackedeis, blieben nicht ungerupft: "Suppenhühner" betitelte Venske die Tanzriege. Doch gerade wegen derlei Frechheiten hatte man ihn engagiert und hatten Hörer und Zuschauer ihn gemocht.

Zuvor war er nämlich als Morgenwecker beim Hörfunk so gut angekommen, daß selbst die damalsnoch von ihm begeisterten Springer-Blätter ihn vorankündigten. "Leider", schrieb 1969 das Hamburger Abendblatt, "hört man den 29jahrigen nur alle zehn Tage", und setzte aufatmend hinzu, "aber am kommenden Dienstag ist er wieder dran." Und Bild freute sich, weil "Mr. Kalauer einen, völlig neuen Sendestil" entwickelt hatte. Aber der bestand nun einmal vor allen aus Garstigkeiten, wie "Der Hörer gemütlich frißt, der Rundfunk liefert Mist". Venske verging sich eine Zeitlang wegen seiner Popularität sogar ungestraft am Allerheiligsten. Er nahm die Morgenandacht aufs Korn und dankte dem "Katholischen Buntfunk Saarbrücken", überzog die Werbung mit Hohn, indem er "Landedas für Pilotenfrauen" anpries und "Eichenbowle – nur echt mit dem Bowlerhut – zum Prostspenden bei Beerdigungen" empfahl. Mit solcherlei morgendlichen Muntermachern schaffte er den Sprung zum abendlichen Fernsehen.