Wenn ein ganzer Schwarm ins Zimmer fällt

Von Esther Knorr-Anders

Zunächst wurde das Geräusch vom Summen des Wasserkessels überdeckt. Ich drehte das Gas ab. Jetzt war das Geräusch stärker zu hören, wenn auch unregelmäßiger. Es mußte aus dem Wohnzimmer kommen. Ein Unbehagen beschlich mich. "Vorsicht!" gebot es. Damit wurde eine Befehlswortsituation eingeleitet. Zögernd schob ich die Tür auf. Ein Fensterflügel stand offen. Es war absolut windstill. Vor der gesamten Breite des Fensters einschließlich der Balkontür schwebte ein Bienenschwarm, und langsam, sehr langsam, als suchten sie etwas, schwebten die Bienen zum Fenster herein, zu den übrigen, die schon im Zimmer summten.

"Fenster zu", kam der Befehl und überschnitt sich mit: "Ruhig bewegen." Ich schaffte es, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht wußte, daß ich mich richtig verhielt. Ich duckte mich unter den Bienen, die etwas über Kopfhöhe herumflogen, hinweg und gelangte aus dem Zimmer.

"Türe schließen."

Ich lief zum Telephon. Die Nummer der Feuerwehr zu wählen war nicht mit wünschenswerter Ruhe möglich. Außerdem befand sich die Stimme in Unordnung. "Sprechen Sie deutlich", sagte der Mann am anderen Ende der Leitung. "Sie haben also schwärmende Bienen vor dem Fenster und einzelne in der Wohnung. Wie viele, schätzungsweise?"

"Schwer zu sagen. Fünfzig vielleicht. Hundert."