"Aufbruch in eine neue Zeit – Geschichten afrikanischer Erzähler", herausgegeben von Dagmar Heusler. Dagmar Heusler war die (wenig glückliche) Organisatorin der Berliner Internationalen Literaturtage ’79 (BILT) mit 15 afrikanischen Schriftstellern, jenes Festivals, bei dem schwarze Autoren nach getaner Arbeit, also ihrer Lesung, den Mund zu halten hatten, damit nur ja kein Dialog zustande kam. Jetzt hat Dagmar Heusler auch noch ein Buch daraus gemacht – mit vielen falschen Tönen, denn wenn Dagmar Heusler im Vorwort schreibt: "Literatur wird als funktionales Phänomen innerhalb der (afrikanischen) Gesellschaft verstanden. Die gesamtgesellschaftliche Realität bestimmt den jeweiligen Inhalt seiner (sic!) Werke", so stimmt dabei nicht nur die Grammatik nicht; denn afrikanische Realität, ihre politischen und gesellschaftlichen Faktoren, die es etwa mit sich brachten, daß einer der geladenen Afrikaner bei seiner Ankunft verhaftet wurde, sollten ja bei BILT tunlichst unter den Tisch gekehrt werden. Aus irgendwo eindem auch dann keine afrikanischen Geschichten, wenn man sie mit belanglosen Zwischentexten verbindet. Schade für die wirklich lesenswerten afrikanischen Erzähler. Sie hätten Besseres verdient. (Athenäum, Königstein, 1979; 235 S., dient. DM.) Armin Kerker

"Leben und Treiben in Gotham – Skizzen aus New York", von Edgar Allan Poe. "Salmagundi – Vermischte Anzeigen zu einem Städtebild" ist das Vorwort überschrieben und erklärt wird (1706): "Salmagundi, ein Italiänisches gerichte von unter einander gehacktem und gewürztem fleisch." Aus dem "Schmelztiegel" New York, aus "Gotham", eigentlich einem britischen Schilda, schreibt der Journalist Poe im Jahre 1866 eine Chronik der laufenden Ereignisse für den Columbia Spy, der in Pottsville, Pennsylvania erschien. Mit kühlem Blick und kritischem Auge berichtet er von Beobachtungen und gewöhnlichen Sensationen in und um Manhattan herum. Er schreibt ausführlich über die sensationslüsterne Presse oder über den Brunnen am Bowling-Green: "Die Idee, wissen Sie, die ursprüngliche Konzeption war ländliche Schlichtheit – kurzum: Natur. Das Wasser sollte wie in der Natur über echte Felsen herabfließen. Und wie hat man diesen Entwurf in die Tat umgesetzt? Durch Auftürmen von ungefähr hundert Steinquadern zu einem annähernd rechteckigen Steinblock. Das Ganze hat viel von einem Provinzgefängnis in heftigem Gewitterregen." Neben Poes Stadt-Briefen gibt es in diesem besonderen New York-Band – sehr schöne, Stiche und vor allein Auszüge aus Washington Irvings "Salmagundi", einer Artikelserie, die erstmals 1807/1808 erschien, worin die "Unkultur" Amerikas beredt Ausdruck findet. (Aus dem Amerikanischen und mit einer Einleitung von Peter Krumme; Ullstein Materialien 35040; Ullstein Verlag, Frankfurt, 1980; 155 S., 9,80 DM.) Manuela Reichart