Er verehrt den Marktwirtschaftler Ludwig Erhard als "den größten Deutschen des 20. Jahrhunderts", aber auch den Gewerkschaftsboß Heinz Oskar Vetter ("Wir sollten froh sein, einen solchen Mann auf solchem Posten zu haben"). Er schläft morgens lange, hat keinen Mercedes und zeigt Fremden sogar seine Steuerbescheide.

Kann jemand, auf den das alles paßt, Bauer in der Bundesrepublik sein? Friedrich Gramberg ist es. Sein 41 Hektar Hof liegt an der LandStraße zwischen Varel und Jaderberg, dort wo vom nahen Jadebusen eine frische Nordseebrise herüberweht.

Der 52jährige könnte "eigentlich rundum, zufrieden" sein. Seine eigene Scholle "hat heute einen Wert von > zwei Millionen Mark, aber einen steuerlichen Einheitswert von nur rund 40 000 Mark. Mein Einkommen hat das Finanzamt mit fünftausend Mark geschätzt". Im Jahr, versteht sich.

Einkommenssteuer braucht Gramberg deshalb keine zu zahlen, nur ein paar Mark Grundsteuer. Auch seine Frau, die als Sachbearbeiterin im öffentlichen Dienst ebenfalls verdient, hat Vorteile vom läppischen Schätzgewinn des Bauern. Dank des fiskalischen Splitting Verfahrens für Doppelverdiener wird, ihr nämlich deshalb weniger Lohnsteuer abgezwackt.

Die kostspielige Fürsorge des Staates für seinen gehätschelten Nährstand geht aber noch viel weiter "Meine Altersversorgung und Krankenkasse wird zum großen Teil vom Steuerzahler mitfinanziert", weiß Gramberg, "und um den Absatz meiner Erzeugnisse brauche ich mir auch keine Sorgen zu machen".

So weit, ist das alles typisch für den modernen deutschen Landwirt, der auf Kosten der Allgemeinheit ein kommodes Leben führt — mit einer gewichtigen Ausnahme: Offen und ehrlich wie Gramberg redet kein Bauer darüber. Maul halten, heißt sonst die Devise, von der nur abgewichen wird wenn es etwas zu klagen gibt.

Auch Friedrich Gramberg klagt und ist deswegen nur "eigentlich zufrieden", aber mit den üblichen Beschwerden der Grünen Front über angeblich zu geringe Garantiepreise, unzureichende Einkommen und zu hohe Steuerbelastung hat das nichts gemein — im Gegenteil. Der Sproß einer bald 500 Jahre alten Ostfriesenfamilie will nicht mehr, sondern weniger Subventionen und, "daß die Bauern ganz normale Staatsbürger werden und wie jeder andere Steuern zahlen".