Von Günter Metken

Wie ein erratischer Block liegt das Werk des Hercules Segers in der niederländischen Landschaftskunst des 17. Jahrhunderts. Es vermittelt zwischen den Gebirgsvisionen Pieter Bruegels und den verinnerlichten Landschaften Rembrandts. Aber es besteht vor allem für sich in höchster Originalität. Sein Umfang mutet im Vergleich mit den Zeitgenossen bescheiden an: ein knappes Dutzend Gemälde und etwa sechzig meist farbige Radierungen, von denen mehrere Unikate sind.

Segers ist bis heute über den Kreis der Kenner nicht hinaus gelangt, seine Experimentalkunst hat in erster Linie auf Kollegen gewirkt. Rembrandt war nachweislich von ihm beeindruckt. Er besaß neben anderen Bildern die "Gebirgslandschaft" (in den Florentiner Uffizien), die er teilweise übermalte, während sich Segers’ weite, menschenleere Horizonte bei Philips Köninck wiederfinden. Und aus dem Untergrund scheint Segers immer wieder die Träumer und Sucher unter den Graphikern fasziniert zu haben.

Zwar gibt es zwei CEuvrekataloge der Radierungen, der eine von Jaro Springer ist 1910–12 in Berlin erschienen, der zweite, wohl definitive von Egbert Haverkamp Begemann 1973 in Holland; dazu liegt Trautschölds kritisches Verzeichnis der Ölbilder in Thieme-Beckers Künstlerlexikon vor.

Dem Nichtfachmann jedoch steht bislang keine brauchbare Einführung zur Verfügung. So tat der Prestel-Verlag gut daran, den handlichen Band von John Rowlands aus dem Englischen zu übernehmen, der auf 40 gelungenen Farbtafeln und 35 Schwarzweißabbildungen das Wesentliche des Werks ausbreitet, vorzügliche technische Bildnotizen enthält und im Text den heutigen Wissensstand rekapituliert –

John Rowlands: "Hercules Segers"; Prestel Verlag, München, 1979; 119 S., 58,– DM.

Dieser Wissensstand allerdings ist bescheiden genug. Wir wissen, daß Segers um 1589/90 in Haarlem geboren wurde, bei Gillis von Coninxloo lernte, 1612 in die Lukasgilde seiner Heimatstadt aufgenommen wurde, zwei Jahre später in Amsterdam eine wohlhabende Bürgerin heiratete und 1619 ein großes Haus in der Lindengracht erwarb. Sein Ruf muß damals beträchtlich gewesen sein, besaß, doch das Haus Oranien zwei seiner Bilder und der dänische König eines.