• Herr Minister, Sie haben sich wiederholt kritisch mit der steuerlichen Förderung des Wohnungsbaus befaßt. Müssen potentielle Bauherren schon bald eine Einschränkung dieser Förderung erwarten?

Matthöfer: Nein, daran denkt niemand. Mir geht es um etwas anderes. Wenn man schon mit der Steuergesetzgebung außerfiskalische Zwecke verfolgt, also etwa die Förderung des Wohnungseigentums breiter Schichten unseres Volkes, oder, einfacher, die Lenkung von Investitionskapital in den Wohnungsbau, dann muß man aufpassen, daß nicht durch trickreiche Konstruktionen diese beiden Ziele gar nicht mehr angestrebt werden, sondern die Steuerersparnis das wesentliche Ziel eines bestimmten Verhaltens ist. Und das scheint uns beispielsweise beim sogenannten Bauherrenmodell der Fall zu sein.

  • Nun sind aber die verschiedenen steuerlichen Vergünstigungen zum Teil der entscheidende Motor des Wohnungsbaus überhaupt. Das gilt insbesondere für das von Ihnen so kritisierte Bauherrenmodell. Wenn es das nämlich nicht gäbe, würden heute so gut wie gar keine freifinanzierten Mietwohnungen mehr gebaut.

Matthöfer: Ich bin nicht der Meinung, daß eine Konstruktion, die dazu führt, daß im ersten Jahr lediglich zum Zwecke der Steuerersparnis, auf Kosten des Fiskus also, zum Teil künstliche Kosten zusammengezogen werden, vernünftig ist. Es liegt vielleicht auch im Interesse der Bauherren, hier eine Konstruktion zu finden, die die Zwecke des Wohnungsbaus unmittelbarer erfüllt,

  • Werden diese Zwecke nicht schon dadurch erfüllt, daß, aus welchen Motiven auch immer, Wohnungen gebaut werden?

Matthöfers Nein, denn nicht alles, was gemacht wird, um Wohnungen zu bauen, muß vernünftig sein. Es ist doch wohl die Frage erlaubt, ob man denselben Zweck, nämlich Wohnungen gebaut zu bekommen, nicht auf sinnvollere Art und Weise als mit dieser Konzentration von zum Teil künstlichen Werbekosten im ersten und zweiten Jahr erreichen kann.

  • Sind nicht diese verschiedenen Verhaltensweisen der Bauherren, sei es die Anwendung dieses Bauherrenmodells, sei es die Zweifamilienhaus-Abschreibung, die Sie ja ebenfalls kritisiert haben, zum Teil einfach nur ein Reflex der Tatsache, daß die bisherige Förderung des Wohnungsbaus, obwohl sie zwanzig Milliarden Mark im Jahr kostet, nicht effizient war?