Während Banken und Sparkassen die Zinsen für Spareinlagen und Sparbriefe zurücknehmen, vollzieht sich am Rentenmarkt eine gegenläufige Bewegung. Dort bekommt der Sparer wieder mehr für sein Geld. Die Renditen liegen schon wieder bei acht Prozent und darüber...

Die Kapitalmarktexperten der Bundesrepublik sind verunsichert. In ihrer Mehrzahl hatten sie noch vor wenigen Wochen für das Jahresende am Kapitalmarkt einen Nominalzinssatz von sieben Prozent für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit vorausgesagt. Tatsächlich erschien dieses Ziel auch erreichbar. In relativ kurzer Zeit waren die Renditen von etwas über zehn Prozent auf unter acht Prozent gesunken, eine Bewegung, die ihr Ende noch nicht erreicht zu haben schien, zumal binnenwirtschaftliche Gründe für billigeres Geld sprechen.

Wenn die Zinssenkung jedoch inzwischen zum Stillstand gekommen, ist, liegt dies an den wieder steigenden Zinsen in den USA. Immer deutlicher wird, daß der amerikanische Kapitalmarkt seine führende Rolle in der Welt zurückgeworfen hat. Das ist keineswegs angenehm. Denn im Augenblick vermag niemand die konjunkturelle Entwicklung in den USA auch nur einigermaßen zuverlässig vorauszuschauen. Niemand kann sagen, ob der Inflationsbekämpfung weiterhin Vorrang eingeräumt wird oder ob mit staatlichen Hilfsprogrammen die Konjunktur wieder angekurbelt werden soll Vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wird eben allen alles versprochen.

Da die Bundesbank mit Rücksicht auf das Leistungsbilanzdefizit der Bundesrepublik darauf achten muß, daß die Zinsdifferenz zwischen dem dominierenden amerikanischen und dem deutschen Kapitalmarkt nicht zu groß wird, ist der Spielraum für eine autonome Zinssenkung klein geworden. Das deutsche Zinsniveau muß so gestaltet werden, daß es einmal für internationale Investoren attraktiv bleibt und zum anderen Kapitalabflüsse aus der Bundesrepublik verhindert.

Die Verhältnisse haben sich gegenüber früheren Jahren völlig verändert. Damals galt es, eine zu starke Aufwertung der Mark und eine übermäßige Aufblähung der deutschen Währungsreserven zu verhindern. Es wurden Maßnahmen zur Abschreckung des Kapitalimports getroffen. Dazu zählt nicht zuletzt die Kuponsteuer, die Ausländer auf die Zinsen deutscher Wertpapiere zu zahlen haben. Übrigens immer noch, obwohl wir jetzt um ihr Geld werben. Aber eine einmal eingeführte Steuer ist so leicht nicht wieder zu kippen, auch wenn sie volkswirtschaftlich unsinnig geworden ist.

Eingeführt wurden zur Abwehr ausländischen Kapitals auch Verbote zum Erwerb bestimmter inländischer Emissionen – mit der Folge, daß sie mit Koffern ins Ausland, geschleppt wurden. Natürlich illegal. Gegen die Kofferträger und ihre Hintermänner bei den Banken wird heute noch ermittelt.

Ich glaube, meine verehrten Leser, daß es an der Zeit ist, sich solcher dirigistischer, "gegen den Markt" gerichteter Maßnahmen zu erinnern. Denn es gibt auch jetzt wieder Leute, die der Meinung sind, die Bundesbank solle im Interesse der binnenländischen Konjunktur "gegen den Markt" operieren und den Zins senken, selbst auf die Gefahr hin einer Vergrößerung des Leistungsbilanzdefizites. Sie meinen, daß zu seiner Finanzierung die noch vorhandenen Währungsreserven eingesetzt werden könnten.