Von Heinz Michaels

Es wird eine "grausame Schlacht" werden, befürchtete Karl Hauenschild bereits im Frühjahr dieses Jahres. Nun sieht es ganz so aus, als werde sich die Prophezeiung des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik bewahrheiten, wenn in der nächsten Woche die Bataillone zum Gewerkschaftstag im Mozartsaal des Mannheimer Kongreßzentrums Rosengarten aufmarschieren.

Das Schlachtfeld liegt allerdings – vorläufig noch – auf einem Neben-Kriegsschauplatz: bei der Diskussion über Satzungsänderungen. Das ist ein Thema, das normalerweise nur Fachleute erregt, die Masse der Mitglieder aber kaum bewegt. Diesmal ist das anders. Offen ist nur, ob der Kampf schon jetzt auf das Zentrum übergreift, auf die künftige Gewerkschaftspolitik.

Vordergründig geht es um drei Satzungspunkte:

  • die Wahl der gewerkschaftlichen Vertrauensleute,
  • die Zusammensetzung und Aufgaben des Beirats, des höchsten Beschlußgremiums zwischen den Gewerkschaftstagen und
  • die Aufgaben des Beschwerdeausschusses.

Auf eine simple Formel gebracht, geht es darum, wie in der IG Chemie die innergewerkschaftliche Demokratie gehandhabt werden soll, wieviel Basisdemokratie und wieviel repräsentative Demokratie es geben soll. Verdeutlichen läßt sich das am besten an der Stellung der Vertrauensleute. Anders als bei anderen Gewerkschaften sind die Vertrauensleute der IG Chemie nicht nur Bindeglied zwischen der Gewerkschaftsorganisation und den Mitgliedern. Sie "wirken bei der innergewerkschaftlichen Willensbildung mit", wie es in der Satzung heißt, und – das ist das Bedeutsame – sie wählen die Delegiertenversammlungen, die regionalen Gewerkschaftsparlamente. In anderen Gewerkschaften ist das Aufgabe der örtlichen Mitgliederversammlungen.

Die Vertrauensleute werden in den Betrieben von den Gewerkschaftsmitgliedern gewählt. Sie können im Ausnahmefall aber auch von der zuständigen Verwaltungsstelle "berufen" werden. Und das hängt mit einer Besonderheit der Branche zusammen.