Weniger krebserzeugende Substanzen, mehr Reizgas

Nach dem großen Regen war die Luft auch über den Ballungsgebieten der Bundesrepublik wieder rein. Doch die Smog-Alarme der beiden vorangegangenen Winter im Ruhrgebiet und in West-Berlin sind deswegen noch nicht vergessen. Ist die Stadtluft, zwischen Smog und Schauer, generell schmutziger oder sauberer geworden?

"In vielen Punkten", meint Professor Hans-Werner Schlipköter, Chef des Instituts für Hygiene der Universität Düsseldorf, "ist die Stadtluft – vor allem über den Ballungsgebieten – wesentlich besser geworden." Der Umweltexperte kann "mit Freude feststellen", daß die Entschwefelung von Abgasen und Brennstoffen den Schwefeldioxidgehalt in der Luft senkte. Außerdem ging "der Feinstaub, den wir inhalieren", in den Jahren von 1969 bis 1978 "deutlich zurück": Schlipköter zitiert Messungen, wonach "etwa nur noch ein Drittel des atembaren Feinstaubes sich in den Großstädten befindet". Schließlich findet es der Professor "besonders erfreulich", daß die Konzentration der krebserzeugenden Substanzen – "und zwar speziell das Benzpyren" – gesunken ist.

Noch Ende der sechziger Jahre schwebten durchschnittlich 70 bis 80 Nanogramm (milliardstel Gramm) kanzerogener Kohlenwasserstoffe, inklusive ihrer Leitsubstanz Benzpyren, in jedem Kubikmeter Großstadtluft. Heute liegen die Werte laut Schlipköter sieben- bis achtmal niedriger – eine ganz entscheidende Verbesserung.

Diese drastische Abnahme der krebsfördernden Kohlenwasserstoffe bemerkte auch Professor Walter Graf vom Institut für Umwelthygiene und Präventivmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg, wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang. Graf und seine Mitarbeiter hatten in der 100 000 Einwohner zählenden Stadt Erlangen an nahezu 50 Stellen Straßenstaub eingesammelt und danach die Bleikonzentration der Proben analysiert. Diese Unterstellungen wurden sowohl 1971 durchgeführt, als der Bleigehalt im Benzin noch bei 0,4 Gramm pro Liter lag, als auch heute, nach der stufenweisen Herabsetzung in auf nur noch 0,15 Gramm pro Liter.

Ein unerwarteter Erfolg

Grafs Team fand, daß der Bleigehalt pro Gramm innerstädtischem Straßenstaub von durchschnittlich 4,2 Milligramm (1971) auf 2,2 Milligramm (1979) zurückgegangen war, also um knapp die Hälfte. Proben aus den Außenbezirken erbrachten ähnliche Ergebnisse.