317 Seiten umfaßt das Kompendium der Politik, das der unabhängige Präsidentschaftskandidat John Anderson und sein Vize-Kandidat, der ehemalige Gouverneur von Wisconsin, Patrick J. Lucey, den amerikanischen Wählern vorlegen.

In der Außen- und Sicherheitspolitik stellt Anderson das Gleichgewicht gegenüber der Sowjetunion als Prinzip auf. Modernisierung und "Diversifizierung" der strategischen Waffen sollen es garantieren, ohne daß völlig neue Waffen – wie die MX-Rakete oder ein strategischer Bomber – gebaut würden.

Die Modernisierung der taktischen Nuklearwaffen und Mittelstreckenraketen in Europa befürwortet er mit dem gleichzeitigen Angebot von Verhandlungen. Änderungen im vorliegenden Salt-II-Vertrag würde er anstreben, um die Ratifizierung im Senat zu erleichtern und dann zügig Salt III anzupacken. Die "historische Partnerschaft" mit Westeuropa soll bestärkt und gefördert werden.

Gegenüber China wollen Anderson und Lucey auf der Linie der Carter-Regierung bleiben, fügen aber hinzu, einen Abbau des sowjetisch-chinesischen Antagonismus begünstigen zu wollen. Auch im Nahen Osten soll in dem von Camp David gesetzten Rahmen weiter verhandelt werden. Ein selbständiger Palästinenserstaat sei abzulehnen.

Zur Bekämpfung der Inflation sollen Löhne und Preise in einer konzertierten Aktion stabilisiert werden. Großes Gewicht legt die Anderson-Plattform auf staatliche Programme der Jugendhilfe für Beschäftigung und Ausbildung.

Natürlich fehlt im Programm des unabhängigen Kandidaten nicht eines seiner ältesten Paradepferde im Wahlkampf: Mit einer Benzinsteuer-Erhöhung um 50 Cents pro Gallone (3,7 Liter) will er die Einfuhr-Abhängigkeit vom Opec-Öl drastisch reduzieren. Der größte Teil der Einnahmen soll dann auf dem Wege über die Sozialversicherung in die Taschen der ärmeren Bevölkerungsschichten zurückfließen.

Ulrich Schiller (Washington)