Von Rudolf Herlt

Ein Girokonto mit fünfzehn Buchungen im Monat und zugesandten Tagesauszügen kostet bei der Bundespost im Jahr 32,60 Mark, bei der Deutschen Bank – um ein Beispiel aus dem Großbankenbereich zu nennen – 172,44 Mark. Das hat die "Stiftung Warentest" an Hand von Modellkonten ausgerechnet. Sie untersuchte die Gebührenpolitik von 45 Geldinstituten. Von allen im ganzen Bundesgebiet operierenden Instituten sind die dreizehn Postscheckämter am billigsten.

Wer bisher noch kein Konto hat, für den ist die Entscheidung einfach. Aber selbst wer bereits Künde bei einem Kreditinstitut ist – und zwar nicht gerade bei den sechs Instituten mit lokaler oder regionaler Bedeutung, die noch billiger sind als die Bundespost –, der sollte zu rechnen anfangen. Vielleicht kommt er zu dem Ergebnis, daß er wenigstens einmal im Monat von seinem Bank- oder Sparkassengirokonto eine Summe auf ein neu zu errichtendes Postscheck-Konto überweisen sollte, über das er dann seinen Zahlungsverkehr abwickelt.

Anfängern und erfahrenen Kontoinhabern soll nicht verschwiegen werden, daß sie nach ihrer richtigen Entscheidung ein schlechtes Gewissen bekommen werden, falls ihnen durch Zufall die Kritik der Banken und Sparkassen an der Gebührenpolitik der Post in die Hände fallen sollte. Die Konkurrenten behaupten nämlich, die Post decke die im Zahlungsverkehr entstehende Defizite mit den Erträgen vor allem aus solchen Dienstleistungen, in denen sie wegen ihrer Monopolstellung überhöhte Gebühren verlangen kann. Schämen sich die Inhaber von Postscheck-Konten denn gar nicht, wenn sie von den Fernsprechteilnehmern ausgehalten werden?

Doch Trost ist auch für zarte Seelen zur Hand. Die Banken haben immer laut verkündet, daß auch ihre letzte Gebührenerhöhung keineswegs alle von Kontoinhabern verursachten Kosten decke. Die Dresdner Bank war nach ihrer Gebührenreform im April dieses Jahres besonders präzise und hat mitgeteilt, daß die Kosten auch jetzt noch zu zwei Dritteln ungedeckt blieben.

Zweierlei läßt sich daraus lernen: Erstens, daß auch die Banken den defizitären Zahlungsverkehr durch Erträge aus anderen Sparten ihres Geschäfts subventionieren, und daß, zweitens, die Banken uneigennützige Einrichtungen sind: Werben sie doch um neue Kunden, obwohl diese nur Ärger bringen. Sie verursachen Kosten, die durch die Preise für Dienstleistungen im Zahlungsverkehr bei weitem nicht hereinzuholen sind.

In diesem durch Spiegelfechterei unübersichtlichen Gelände gewinnt die Bundespost langsam, aber sicher an Boden. Am Anfang stand der Auftrag, ein Zahlungssystem bereitzustellen, das, den Bargeldumlauf einschränkt und Wirtschaft, aber auch Private an den bargeldlosen Zahlungsverkehr anschließt. Das war im Jahre 1909, als es außer dem Reichsbankgironetz kein weiteres über das gesamte Reichsgebiet ausgedehntes Gironetz gab. Und auch das Reichsbankgironetz stand nur dem Zahlungsverkehr großer Wirtschaftsunternehmen zur Verfügung. Sparkassen und Banken kamen mit eigenen Gironetzen erst in den dreißiger Jahren und später,