Art diesem Samstag hat der Kanzlerkandidat Geburtstag, den 65. Da gibt es viel Anlaß zu Ehrungen und Empfängen, möglichst über den ganzen Schlußwahlkampf hinweg. Und Kandidatur wie Geburtstag bieten auch reichlich Gelegenheit zu literarischen Würdigungen. Zu der ohnehin schon langen Reihe der Publikationen von und über FJS gehört seit der letzten Woche auch das Werk "Anspruch und Leistung. Widmungen für Franz Josef Strauß", ein respektabler Sammelband, vorgestellt in der Bayerischen Landesvertretung zu Bonn.

Zu vermuten ist, daß nicht so sehr die Widmungen die stattliche Zahl Neugieriger in das Bayern-Zahl gezogen haben, sondern mehr jene Zeilen in der Einladung, die ankündigten, daß in Anwesenheit des Geehrten der Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union Deutschlands, Helmut Kohl, die Laudatio halten werde. Kohl als Laudatio von Strauß – da neben sich schon manche die Hände.

Aber sie sind allesamt nicht auf ihre Kosten gekommen. Wie immer den Blick auf einen imaginären Fixpunkt schräg rechts oben ander Decke geheftet, von dem er seine Eingebungen zu holen scheint, würdigte der CDU-Vorsitzende den Jubilar als einen der "Baumeister" der Bundesrepublik, die Stimme piano und ganz feierlich-brüchig. Persönlich sozugeneigt wurden seine Worte, daß Strauß dann sagen konnte, Helmut Kohl habe eine Rede gehalten, "die er selber war, die von Herzen kam". Keinerlei Anspielungen hin oder her – es sei denn, man hätte Kohls gute Wünsche zum Wahltag, für den "wir tun, was wir können, damit es gelingt", dafür nehmen wollen,

Perfekte Mimikry, zumal im Wahlkampf? Es muß wohl so sein. Aber so natürlich, erscheint diese Mimikry auch, daß man zugleich annehmen muß, sie sei zur zweiten Natur geraten.

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Tief Iris Wahlgebein gefahren sind den Sozialdemokraten die zum Teil gewaltsamen Krawalle bei Straußens Kundgebung in Hamburg, von denen sich auch die Jusos nicht ganz freisprechen können. Das öffentliche Echo war ziemlich verheerend. Seitdem hagelt esZurechtweisungen, vom SPD-Vorstand/, von der Spitzen-, garde, vom Bundesgeschäftsführer und vom Sprecher der Partei.

Gegner sind auch alle, ihr eigenes Süppchen an der Erhitzung von Anti-Strauß-Demonstrationen wärmen wollen. Wer unter den Mitgliedern der SPD so töricht ist, dies zu übersehen oder zu vernachlässigen, muß sich fragen lassen, ob der verständliche Wunsch, gegen Strauß zu demonstrieren, wichtiger ist. als die Loyalität zur eigenen Partei."