Gräberkampf in Eschwege – Folge II

Im Kampf gegen die Friedhofsordnung in seinem Geburtsort Eschwege bleibt der Dichter Rolf Hochhuth allein (ZEIT Nr. 35 vom 22. August). Auch sein früherer Schulfreund, der jetzige evangelische Bischof von Kurhessen-Waldeck, von dem in Basel lebenden Schriftsteller um Beistand im Streit gegen die weltlichen und geistlichen Autoritäten des hessischen Städtchens angerufen, erteilte Hochhuth eine deutliche Absage – verbunden mit harten Vorwürfen an den Literaten: "Du willst Eschweger Bürger der Lächerlichkeit preisgeben", "Du beleidigst den verantwortlichen Pfarrer", "Du stellst eine ganze Stadt an den Pranger". Auch mit der neuen Eschweger Gräberordnung, durch die Hochhuth einen "Bildersturm" auf den örtlichen Friedhof zukommen sieht, werde, so schreibt der Kasseler Bischof, das alte Prinzip gewahrt: "Wir pflegen die Gräber der Unseren mit Liebe und lassen die Toten doch in Frieden ziehen." Der Rat des Bischofs an Hochhuth: "Nimm die Beleidigungen zurück, die Du im Zorn ausgesprochen hast. Mach sparsamen Gebrauch von Deiner Macht. Laß den Eschwegern Zeit, ihr Verhältnis zu Dir zu finden."

Herr im Haus

Der Mann behält im Zweifel recht. Jawohl! So war es, so ist es, so wird es auch noch eine Weile bleiben. Das ist zwar seit über dreißig Jahren verfassungswidrig, doch unsere Gesetzgeber wollen sich noch ein Weilchen Zeit lassen mit der Korrektur. Schließlich hat die Sache Tradition und lange funktioniert: unser internationales Privatrecht vom Ende des vorigen Jahrhunderts. Danach ist in gemischten Ehen immer noch die Staatsangehörigkeit des Mannes ausschlaggebend, wenn vor dem Richter Konflikte entschieden werden müssen. Bei einer Scheidungsklage, bei Versorgungsansprüchen oder in der Frage, wem die Kinder zugesprochen werden, geht es deutschen Frauen meist schlecht, die etwa mit einem Türken, einem Iraner oder Araber verheiratet sind. Und in der Bundesrepublik, wo mehr als vier Millionen Ausländer leben, gibt es rund 300 000 deutsch-ausländische Ehen. Eine Reform nach dem Prinzip der Gleichberechtigung von Mann und Frau und im Hinblick auf die Schutzbedürftigkeit des Kindes wäre dringend nötig. Der 53. Deutsche Juristentag – vom 16. bis 19. September in Berlin – wird sich mit vier verschiedenen Reformvorschlägen befassen und damit hoffentlich das Nachdenken unserer Justizbeamten und Parlamentarier ein wenig beschleunigen.

Das Vorbild

Geselliger, selbstsicherer und verantwortungsfreudiger als der Durchschnittsmensch – so beschreibt das Institut für Demoskopie in Allensbach den deutschen Lotto- und Totospieler. Diese Charakteristik ist eines von vielen Ergebnissen einer Studie, die zum 25jährigen Bestehen des Nordwestlottos in Auftrag gegeben wurde. So erfährt man, daß nur acht Prozent der Bevölkerung grundsätzlich gegen Lotterien sind, daß heute – anders als noch vor zehn Jahren – etwa gleich viel Frauen wie Männer ihre Kreuzchen. machen und, daß Gewinnspiele keine Domäne unterer Bildungsschichten mehr sind: Während 1969 nur dreißig Prozent der Abiturienten an Glücksspielen teilnahmen, sind es 1980 etwa sechzig Prozent. Fast jeder zweite Teilnehmer kreuzt bei Lotto oder Toto jedesmal dieselben Zahlen an und macht sich damit selbst zum Dauerkunden der Lottogesellschaften. Drei von vier Erwachsenen nehmen zur Zeit regelmäßig an den öffentlichen Gewinnspielen teil – womit erklärt wäre, warum man in Deutschland so viele gesellige, selbstsichere und verantwortungsfreudige Menschen trifft.

Schlangenfraß

Wenig Kampfgeist zeigten die Python-Schlangen, die von Militärs in Johannesburg verpflichtet worden waren, um der Kaninchenplage abzuhelfen. Von den hundert angemusterten Riesen-Reptilien erfüllten nur fünf ihre Pflicht: sie erlegten im Würgegriff das unliebsame, sanfte Plagetier. Die anderen zogen es vor, bequem in der Sonne liegen zu bleiben, bis man ihnen die Kantinenverpflegung servierte. Offensichtlich unterliegen auch Schlangen der modernen militärischen Moral: Erst das Essen, dann die Heldentat.