Von Monika Putschögl-Wild

Über schafgarbendurchsprenkelten Wiesen flirrt heiß die Luft, summen matt ein paar Bienen, huschen lautlos Kohlweißlinge. Die Berge zeichnen sich in stechend klarer Silhouette ab. Der Sommerhimmel wölbt sich sattblau über dem dunklen Siriuskogel: August in Bad Ischl.

Daselbst sah am 16. August 1853 Seine k. u. k. Apostolische Majestät Franz Joseph I., der Kaiser von Österreich, Ihre Königliche Hoheit Elisabeth Amalie Eugenie, Prinzessin in Bayern, vulgo Sissy, und verliebte sich am gleichen Tag und auf den ersten Blick. Über dem Siriuskogel verkündeten am 19. August 1853 die Buchstaben FJ und E, von einem Brautkranz umrahmt, die kaiserliche Verlobung.

Tags zuvor hatte Franz Joseph seinen Geburtstag gefeiert – das tat er jedes Jahr in Bad Ischl. Bad Ischl tut es 1980 und feiert ein Jahr lang den Geburtstag seines Kaisers – den 150. Ein Ereignis, das fast untergeht in den Feiern zum 200. Todestag der glorreicheren Urmutter Maria Theresia.

Kaiser Franz Joseph verdankt Bad Ischl sein Leben. Bad Ischl wiederum verdankt dem Kaiser, der 86 Jahre lebte, 68 Jahre regierte und 83 Sommer hier verbrachte, seinen Ruhm in den letzten Glanzjahren der k. u. k. Monarchie. Mit dem Habsburgerreich sank auch das Weltbad: vom Schickeria-Ort des Fin-de-Siecle zum freundlichen Ferienplatz, zum Kurort vornehmlich des gehobenen, ältlichen Wiener Mittelstandes. Indes, das Salzkammergut-Städtchen trauert seiner illustren Vergangenheit nicht sonderlich nach. Es sonnt sich in operettenseligem Mittelmaß. Ein Kurort, in dem das Zeitmaß immer noch ein bißchen behäbig österreichisch ist und in dem goldfingerglitzernde Damen auf die Segnungen der Ischler Solequelle (32 Prozent Salzgehalt) vertrauen.

Erzherzogin Sophie, in die Familie Habsburg eingeheiratet, um mutmaßliche Thronfolger zu gebären, reüssierte erst nach den Solebädern von Bad Ischl, was ihr vier Söhne eintrug, diesen den Necknamen "Salzprinzen" – und Bad Ischl beträchtliches Renommee.

Das noch zu mehren, verstand geschickt der Ritter von Rettenbach, Dr. Franz Wirer, Entdecker und Manager der lebenspendenden Quellen sowie kaiserlicher Leibarzt: Das biedermeierlich provinzielle Ischl avancierte im Sommer zu einer Dependance von Wien. "Man" lebte und amüsierte sich im Salzkammergut zwischen den Flüssen Traun und Ischl, zwischen den gemütlichen Bergen Katrin, Jainzen und Siriuskogel, zwischen den ertragträchtigen Jagdgebieten Zimnitz und Hohe Schrott, zwischen wildwuchernden Wiesen, bewirtschafteten Almen und gepflegten Spazierwegen,