Über Geschmack läßt sich, anders als das Sprichwort sagt, doch streiten, besonders über den politischen, und das zumal in Wahlkampfzeiten. Die Parteien tun es ja auch weidlich und nicht nur vor der Schiedskommission; die Union, seit Anfang dieser Woche auch in einer Ausstellung.

Manches, was die CDU da zum Beleg der Kampagne gegen ihren Kanzlerkandidaten an Plakaten und Graphiken in ihrer Bonner Parteizentrale zeigt, ist in der Tat erschreckend – formal durchaus vergleichbar mit den Hervorbringungen des Stürmers, des braunen Hetzblatts von ehedem. Franz Josef Strauß als Nazi oder neuer Hitler: das geht nun nicht. Und gegenüber einem Spruch wie "Buback, Ponto, Schleyer, der nächste ist ein Bayer" gibt es nur zweierlei: Abscheu und den Staatsanwalt, könnte man der anonymen Kritzler habhaft werden.

Auch andere Belege zeigen mehr Bösartigkeit als satirische Treffsicherheit. Gleichwohl fragt man sich manchmal, ob die Union nicht allzu wehleidig Ursache und Wirkung verwechselt. Ist es denn nichts als Infamie, wenn Strauß als Dracula oder – auf einem Poster von Klaus Staeck, an dem sich freilich immer die Geister scheiden werden – gar als Anarchist wiederkehrt, nachdem er weiland in Sonthofen nur in Krise und Chaos die Chance zu einer Wende gesehen hat? Und kann die Antwort nur darin bestehen, Staeck nun als Faschisten zu denunzieren?

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Doch kein Zweifel, das Gesamtbild ist bedrückend; das politische Unterholz bringt schlimme Triebe hervor: Mit vollmundigen Anklagen allerdings sollte sich die Union wohl besser zurückhalten. Denn was aus ihren Reihen in Umlauf gesetzt wird, ist manchmal nicht weniger bösartig, wenn auch eher subkutan als graphisch-plakativ.

Bei der CSU etwa blüht eine politische Poesie, die sich in Versen wie diesen ausdrückt: "Wo im Bund, in Land und Stadt / die SPD die Mehrheit hat / dort wird dasselbe Rot gehißt / das auch das Tuch von Moskau ist." Oder: "Ob Honecker, ob SPD / ob Bahro oder Kalle / ob Wehner oder KBW / Genossen sind sie alle. / Und für Genosse Leonid / den höchsten auf den Sprossen / sind Wehner, Brandt und Helmut Schmidt / zuerst einmal – Genossen."

Wie sagte da Heiner Geissler, der Generalsekretär der CDU, zur Eröffnung der Ausstellung über die Anti-Strauß-Kampagne? Undenkbar sei es, daß ein Mitglied oder eine Wählerinitiative der CDU Helmut Schmidt mit Stalin oder Hitler vergliche. Und ebenso selbstverständlich wäre es, daß sich die Union von einer solchen Kampagne nicht nur durch Worte, sondem auch durch Taten distanzieren würde.