Ein erfolgreicher Provinzboß und Reformpolitiker wird neuer Ministerpräsident der kommunistischen Volksrepublik China.

Zhao Ziyang ist 62 Jahre alt und im Politbüro der Jüngste. Für chinesische Verhältnisse steht er also in der "Blüte des Lebens". Nach, dem Rücktritt Hua Guofengs, der jedoch den wichtigeren Posten des Parteivorsitzenden behält, und sieben seiner Stellvertreter, die alle schon die 70 überschritten haben, ist nun die überder 60jährigen nachgerückt – durchweg Männer, die bereits vor der Kulturrevolution Karriere machten, jedoch wegen ihres pragmatischen Kurses bei Mao Tsetung und den Linksradikalen in Ungnade fielen.

Deng Xiaoping, der Initiator des neuen Kurses, hat sie nach und nach in die Regierung geschleust – Zhao, einer der Tüchtigsten, führt seit April die laufenden Regierungsgeschäfte.

Seine Verwaltungserfahrungen sammelte er vor der Kulturrevolution als Gouverneur in der südchinesischen Provinz Guangdong. Die Roten Garden setzten ihm die Narrenkappe auf und schleppten ihn durch die Straßen der Hauptstadt Kanton. 1971, vier Jahre nach dem Sturz, tauchte Zhao wieder auf – als führender Funktionär in der Inneren Mongolei. Bald steht er abermals an der Spitze der Provinzregierung in Kanton, wo er lange Zeit über einige mutige, junge Kritiker der sogenannten Viererbande seine schützende Hand hält. Unbeschadet übersteht er die Machtkämpfe in den letzten Monaten vor dem Tod Maos, ein Beweis für sein taktisches Geschick.

In den letzten fünf Jahren kommandierte Zhao die volkreichste Provinz Chinas, Szetschuan (100 Millionen Einwohner), die Heimat Deng Xiaopings. Er vollbrachte dort ein Wirtschaftswunder, dank unkonventioneller, marktwirtschaftlicher Methoden, die er nunmehr in ganz China ausprobieren soll. Zhao, Sproß einer eher reichen Bauernfamilie, hat die Landwirtschaft hochgebracht, indem er den Bauern höhere Preise und mehr freie Märkte bescherte. Weitere Erfolgsrezepte: Autonomie für die Unternehmen, Dezentralisierung der Unternehmen, Leistungsprämien für die Arbeiter.

Doch seine "sozialistische Marktwirtschaft" (Neue Zürcher Zeitung) bedeutet keine Absage an den Führungsanspruch der Kommunistischen Partei. "Unter keinen Umständen", sagte Zhao vor einem Jahr, "dürfen; wir, die sozialistische Demokratie mit der kapitalistischen Demokratie verwechseln, das bürgerlich-demokratische System nachahmen und eine bürgerliche Liberalisierung betreiben."

An Auslandserfahrung mangelt es ihm noch. Er begleitete 1978 Hua auf dessen Reise nach Rumänien, Jugoslawien und Persien und besuchte 1979 die Schweiz, England und Frankreich. In der Parteiführung bleibt ihm das Wohlwollen des alten Deng sicher, aber auch das anderer ehemaliger Mitarbeiter des 1976 gestorbenen Ministerpräsidenten Tschou Enlai. Über sein Verhältnis zu Parteichef Hua weiß man nichts. Kj.