Gegen die Läuferinnen von heute hätte selbst Nurmi keine Chance

Von Gerhard Seehase

Nehmen wir sie einmal nicht so ernst, jene furchterregende Box-Lady aus den USA, die Männer zum direkten Leistungsvergleich im Ring herausfordert. Und kümmern wir uns auch nicht um die "stärkste Frau der Welt", die sich auf den Jahrmärkten bestaunen läßt. Es bleiben – im ernstzunehmenden Hochleistungssport – noch genügend Beispiele, aus denen die Männer ablesen können, wie hart ihnen die weibliche Konkurrenz auf den Fersen ist.

"Tarzan" Johnny Weissmüller zum Beispiel, das "Schwimmwunder" der zwanziger Jahre, wäre vermutlich von Minderwertigkeitskomplexen übermannt worden, hätte er schon damals gewußt, wie schnell einmal 15- und 16jährige Mädchen aüf seinen Spezialstrecken (100-m-Kraul und 400-m-Kraul) sein würden. Die Teenager hätten ihn deklassiert.

Der "unschlagbare" Johnny Weissmüller gewann 1924. (in Paris) die olympische Goldmedaille über 100-m-Kraul (Freistil) in 59,0 Sekunden. Und er wiederholte seinen Triumph vier Jahr später, bei den Olympischen Spielen von Amsterdam in 58,6 Sekunden.

Und nun benötigte die Goldmedaillengewinnerin von Moskau, Barbara. Krause (DDR), nur noch 54,79 Sekunden für die gleiche Strecke.

Auch über 400-m-Kraul holte sich Johnny Weissmüller 1924 in Paris die Goldmedaille. Seine Zeit: 5:04,2 Minuten. Die Siegerin von Moskau, Ines Diers (DDR), wäre ihm auf dieser Strecke davongeschwommen wie ein Delphin einem Hering. Ihre Zeit: 4:08,76 Minuten.