In den letzten Tagen sind die Zinsen In der Bundesrepublik weiter gestiegen. Daran ist einmal die Entwicklung in den USA schuld, wo das Geld wieder teurer geworden ist, zum anderen aber auch der Bund, der Schuldscheine mit Renditen von 8,18 Prozent anbietet.

Es wird vermutet, daß beim Bund Finanzierungsschwierigkeiten aufgetaucht sind. Frühere Meldungen aus dem Bundesfinanzministerium, wonach der Bund bereits seinen Bruttokreditbedarf zu 80 Prozent und seinen Nettokreditbedarf schon "überfinanziert" habe, werden heute mit Skepsis beurteilt. Denn, wenn das stimmt: Warum betätigt sich der Bund jetzt als Zinstreiber?

Immer deutlicher wird, daß die Zinsen nicht von der Bundesbank "gemacht" werden, sondern vom Markt, insbesondere vom amerikanischen. Deshalb haben in den deutschen Börsensälen die Spekulationen über eine Diskontsenkung und deren Zeitpunkt an Gewicht verloren. Gegenwärtig wird die Aktien- und Rententendenz der deutschen Börsen in Wall Street bestimmt.

Und dort herrscht Unsicherheit. Nicht nur hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl. Daneben wächst die Sorge vor einer politischen Ölpreismanipulation der arabischen Ölstaaten, um Einfluß auf die Palästina-Frage auszuüben.

Daß in dieser Situation die deutschen Bankaktien von großer Empfindlichkeit sind, hat zwei Gründe: Durch den Kursverfall am Rentenmarkt entstehen erneut Abschreibungserfordernisse in den Rentenportefeuilles, zum anderen wachsen mit der politischen Unruhe die beträchtlichen internationalen Risiken. Nicht zuletzt wird in den Börsensälen befürchtet, daß die Bundesregierung die Banken zu weiteren politischen Krediten an Länder des Ostblocks nötigen wird. Das Unbehagen über den kürzlich zugesagten Polen-Kredit ist noch keineswegs überwunden. K. W.