Leser, die sich über Entwicklungen des Rechtsextremismus informieren wollen, werden bei

Karl-Klaus Rabe (Hrsg.): "Rechtsextreme Jugendliche. Gespräche mit Verführern und Verführten"; Lamuv Verlag, Bornheim-Merten 1980; 251 S., 16,80 DM

manches über die Erscheinung radikaler Gruppierungen und ihre Mitglieder erfahren. Nach Meinung rechtsgerichteter Jugendlicher entstehen solche Verbände, weil dies für sie eine Zeit ist, wo Materielles im Vordergrund steht, die technisierte Umwelt die Lebensbedingungen verändert und die Vereinzelung zum Alltag gehört. Diese Zustände sollen aufgebrochen werden; Angebote dazu machen die "Wiking-Jugend" und der "Bund Heimattreuer Jugend" in Form sogenannter Freizeitveranstaltungen. Einer dröhnt: "Gerade in einer Zeit, wo der materielle Wohlstand seinen Zenit erreicht hat, werden wir überzeugend beweisen, daß es noch eine deutsche Jugend gibt, die sich der Zukunft des deutschen Volkes verpflichtet fühlt, eine fröhliche und, wenn die Stunde es erfordert, ernste Jugend, die sich bei Wettspielen, Singen und Tanzen, Vorträgen, Gesprächs- und Lagerfeuerrunden zusammenfindet, um somit ein Bekenntnis zur Heimat abzulegen." Der Hang zur Natur und zum Gruppenleben sind nichts Arges; bedenklich wird es erst, wenn es nicht nur um Pfadfinderspiele geht, sondern Wehrertüchtigung betrieben und die deutsche Geschichte – braun eingefärbt – gelehrt wird.

Dieser Band schließt eine Lücke in der Literatur. Bisher konnte man nur erfahren, daß es wieder mehr rechte Jugendbewegungen gibt. Hier wird die Frage beantwortet, warum es sie gibt und warum Jugendliche von der "rechten Lehre" fasziniert sind.

Der andere Band:

Alwin Meyer/Karl-Klaus Rabe (Hrsg.): "Einschlägige Beziehungen von Unionspolitikern"; Lamuv Verlag, Bornheim-Merten 1980; 160 S., 6,80 DM

geht über die Beschreibung rechtsextremistischen Gedankengutes und ihrer Organisationen im Inwie im Ausland hinaus: Er versucht, die Verbindungen zur CDU und zur CSU aufzudecken.

Da indessen gerade in letzter Zeit rechte Kräfte – in oft dumm-dreister, auch gewalttätiger Form – auftreten, wäre in diesem Fall anderes nötig gewesen: die Analyse einzelner Probleme und die Wertung der Vorgänge. Dafür lassen es die Autoren mit der Aufzählung von Ereignissen ihre Bewandtnis haben. Hinzu kommen Unsachlichkeiten, wenn im Vorwort mit zerstückelten, bei verschiedenen Anlässen gemachten Strauß-Zitaten hantiert wird, bis hin zur Formel "rot gleich braun". Jutta Hesse