Von Gunter Hofmann

Wenn die einen die "Eckpfeiler" des Kabinetts bilden, wie Helmut Schmidt jüngst gesagt hat, sind die anderen die Austauschbaren, deren Fehlen das Gebäude nicht ins Wanken bringt. Das muß man wohl daraus folgern, wenn der Kanzler bilanzierend Hans Apel, Jochen Vogel, Hans-Dietrich Genscher, Otto Graf Lambsdorff und Hans Matthöfer hochlobt, nicht ohne süffisant hinzuzufügen! "Wen habe ich noch vergessen?"

Nach dem Wirbel, den diese Bemerkung entfachte – das Arbeitsministerium stand drei Tage lang Kopf, Genscher intervenierte für seinen liberalen Kollegen Baum bei Schmidt –, ließ der Kanzler wissen, alles bleibe nach dem Wahltag beim alten. Mit einer Ausnahme: Kurt Gscheidle. Siegen die Sozial-Liberalen, soll er das Verkehrsressort abgeben und das Postressort behalten, wie er das ohnehin wollte. Im übrigen scheint Schmidt nach seiner Maxime für Personalia, ja für Politik überhaupt verfahren zu wollen: erstens Kontinuität, zweitens Vorsicht – oder umgekehrt.

Ein großes Revirement, größer vielleicht als das vom Frühjahr 1978, würde vermutlich erst einem Ausscheiden Herbert Wehners aus dem Fraktionsvorsitz folgen, also kaum vor 1982. Das Kabinett von heute hat sein Profil vor zwei Jahren erhalten. Damals wechselte Hans Apel vom Finanz- ins Verteidigungsressort, um als Nachfolger Georg Lebers seine Gesellenjahre abzurunden. Punkte hat er dabei nicht verloren. Die härtesten Zeiten könnten Apel aber noch bevorstehen. Allerdings, wenn heute die Rede auf einen Nachfolger für Wehner kommt, fällt Apels Name immer zuerst. Aber auch, wenn es um die Kanzler-Nachfolge geht.

Eckpfeiler Matthöfer, der seinerzeit vom Forschungs- zum Finanzminister avancierte, gilt unverändert als Minister, der adäquat ist an der Seite Helmut Schmidts, vielleicht als Gewerkschaftler sogar unverzichtbar für ein Kabinett, in dem Schmidt nicht mehr Kanzler wäre. Matthöfer nimmt im Schmidt-Kabinett eine Schlüsselstellung ein. Er verwaltet sein Ressort kundig, aber er konnte ohnehin nur im besten Fall Respekt, nicht Freunde gewinnen.

Wenn einmal Eckpfeiler Vogel, einer der Altgedienten aus der Ära Brandt, zum Fraktionsvorsitzenden auserkoren würde, ohne zuvor noch aus pädagogischen Gründen, wie das im Kanzleramts-Jargon heißt, in ein "Schlammschlacht-Ressort" wie das auf der Hardthöhe delegiert zu werden, dann verriete das vermutlich die Vorentscheidung über die Anwartschaft für das Kanzleramt, nach Schmidt. Nach dem ungeschriebenen Grundgesetz dieses Kabinetts bringt neben Apel vor allem Vogel die Eigenschaften dafür mit. Fleißig, zuverlässig, überlegt, ein "Exekutivgenie", wie ihn einer seiner Kollegen respektvoll rühmt.