Von Egmont R. Koch

Der Würzburger Hygiene-Professor Karl Bernhard Lehmann gilt als Vater der Idee, Höchstkonzentrationen gefährlicher Arbeitsstoffe festzulegen. Er schüttete den zu prüfenden, leicht flüchtigen Giftstoff auf dem Boden der institutseigenen Waschküche aus und verteilte ihn, mit Zeitungsbögen wedelnd, im Raum. Wenn Lehmanns Labordiener die Prüfstätte nach einiger Zeit lebend und ohne sichtbare Schäden verließen, setzte der Professor die gemessene Konzentration als "am Arbeitsplatz gerade noch verträglich" an. Das war vor knapp hundert Jahren.

Solche Tests hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft nicht im Sinn, als sie 1955 in ihrer Eigenschaft als Berater des Gesetzgebers nach amerikanischem Vorbild die "Kommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe" ins Leben rief: Die Kommission sollte maximale Arbeitsplatz-Konzentrationen, sogenannte MAK-Werte, erarbeiten.

Seit dieser Zeit prüft und bewertet das Expertengremium aus Hochschul- und Industriewissenschaftlern alle zugänglichen Informationen. Als oberstes Gebot gilt dabei die völlige Unabhängigkeit im Schnittpunkt arbeitsmedizinischer und industrieller Interessen.

Heute wie damals seien die beteiligten Fachleute in "freier eigener Verantwortung tätig" und als:-Mediziner nur "dem hippokratischen Eid und den Normen ärztlichen Handelns verpflichtet", schreibt der Vorsitzende der MAK-Kommission, der Würzburger Toxikologe Professor Dietrich Henschler. Das gelte für die zur Zeit 22 Mitglieder aus Hochschulinstituten im gleichen Maße wie für die gegenwärtig 14 Wissenschaftler aus dem Bereich der Industrie.

Mit der Zeit hat sich laut Henschler auch ein "ungetrübtes Vertrauensverhältnis" zu den Gewerkschaften entwickelt. Die Tätigkeit der Kommission fand, den eigenen Ansprüchen entsprechend, sogar im europäischen Ausland Anerkennung: Sieben Länder verwendeten die jährlich neu erscheinende MAK-Werte-Liste, bis im letzten Jahr die Österreicher plötzlich absprangen.

Dies wäre nun kaum erwähnenswert, hätten die österreichischen Gewerkschaften nicht schwere Geschütze gegen die deutsche MAK-Kommission aufgefahren: Sie sei industriehörig und werde den Erfordernissen eines wirksamen Arbeitsschutzes nicht gerecht. Die Kritiker wollen festgestellt haben, "daß die MAK-Werte vornehmlich Werte der herstellenden Unternehmen sind".