Touristen sind nicht in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft rechtlich so gut abgesichert wie die Deutschen. Das führte jetzt zu einem politischen Vorstoß in Brüssel, an dessen Ende eine Europa-Direktive für Reiseveranstalter stehen könnte, die über deutsche Regeln noch hinausreichte.

Das Europäische Parlament erwartet eine Untersuchung der EG-Gremien zum Thema "Pauschalreisen" bereits im Oktober; Richard Burke, europäischer Kommissar für Transport- und Konsumentenfragen, hat diesen Zeitpunkt angekündigt. Hintergrund der europäischen. Initiative waren eine Reihe von Pleiten und sonstigen Vorfällen in verschiedenen Mitgliedsländern, die den Eindruck verstärkten, Pauschalreisende seien zu rechtlos gegenüber Reiseveranstaltern.

Wortführer jener Gruppe von Europa-Parlamentariern, die sich für eine grenzübergreifende Regelung von "Package-Tours" stark machen, ist der irische Sozialist John O’Connell. Er beklagt, wie das in London erscheinende Fachblatt Travel Trade Gazette jetzt berichtete, daß die Kataloge und Werbemittel der Reiseveranstalter oftmals völlig unzureichende Informationen für den Kunden liefern – ein Tatbestand, der vor einigen Jahren auch in Deutschland zu beklagen war. Eine konsumentenfreundlichere Rechtsprechung und ein "Reiseveranstaltergesetz" haben dem hierzulande aber weitgehend abgeholfen.

Die Vorschriften, die O’Connell jetzt durchsetzen will, gehen teilweise noch über die Vorschriften für die Bundesrepublik hinaus. So sollen Pauschalreisende künftig nur noch fünfzig bis siebzig Prozent ihres Reisepreises vor Antritt der Fahrt überweisen müssen und den Rest nach der Rückkehr. Diese Regelung bietet dem Kunden die Chance, mehr Druck gegenüber den Reiseveranstaltern auszuüben. In Deutschland hat er derzeit nur einen Anspruch auf weitgehende Rückerstattungen, wenn sein Urlaub nicht nach Wunsch verlief.

Ein anderer Vorschlag der Europa-Abgeordneten: Steigende Kosten, die durch wechselnde Währungsparitäten verursacht wurden, sollen nicht auf die Reisenden abgewälzt werden dürfen, sofern die Preise festgesetzt sind. In Deutschland gilt eine Vier-Monats-Frist, in der Katalogpreise ihre Gültigkeit behalten.

Zwei weitere Forderungen beschäftigen sich mit der Ausschreibung und Anpreisung von Urlaubsprogrammen: Aus ihnen muß der exakte Preis einer Ferientour klar zu erkennen sein (was in manchen deutschen Reisekatalogen noch Schwierigkeiten verursacht). Kataloge und Reklamebroschüren sollen schließlich behandelt werden wie Vertragsbestandteile und den Reisenden somit die Möglichkeit einräumen, mit diesen Angeboten eine einklagbare Angebotsbeschreibung zu erhalten. Diese Forderung ist in der deutschen Rechtspraxis bereits verwirklicht.

Wenn die Europa-Studie rechtzeitig vorliegt und die Parlamentarier auf Grund dessen eine Reiseveranstalter-Direktive beschließen, könnte dies nach Informationen aus Brüssel. bereits im kommenden Frühjahr wirksam werden.

K. V.