Charmant

"Edouard, der Herzensbrecher oder Übung macht den Meister" von Philippe de Broca. Fast hätte man Mitleid mit ihm: Nicht genug, daß eine ungerührte Agentin mit Gastspielterminen, Plattenaufnahmen und Konzertproben an den Nerven des sensiblen Star-Pianisten Edouard zerrt, nein, zwischen den Ansprüchen von Ehefrau, Ex-Ehefrau, Geliebter und dreier Kinder gilt es auch noch, zahlreiche amouröse Stippvisiten in den übervollen Terminkalender zu pferchen. Der französische Bühnenschauspieler Jean Rochefort, dessen Talente seit über zwanzig Jahren viele Filme in meist kleineren, komischen Rollen bereichert haben, darf als Edouard endlich einmal seine Fähigkeiten voll entfalten. Denn der hektische Liebesreigen mit Nicole Garcia, Annie Girardot, Danielle Darrieux und Catherine Alric dreht sich nicht nur zu fröhlichen, sondern auch zu melancholischen Klängen. De Broca, einst Assistent von Truffaut und Chabrol, inzwischen 47 Jahre alter Komödienspezialist, variiert in seinem 18. Spielfilm einmal mehr gekonnt seine Lieblingsfigur: Jean Rochefort, als liebenswerter Träumer und Phantast ist ein älter gewordener Jean-Pierre Cassel aus den "Liebesspielen". Der "Farceur" muß begreifen, daß ihn als Don Juan die Zeit im doppelten Sinn eingeholt hat. Casanova wirkt als Großvater eher lächerlich, und die immer jünger werdenden Frauen entziehen sich immer selbstbewußter männlich-autoritären Vorstellungen von der Liebe. Rolf Thissen

Annehmbar

"Das Traumhaus" von Ulrich Schamoni oder die Vertreibung aus dem grünen Paradies: die pessimistisch-melancholische Auseinandersetzung mit den Träumen der Jungen und dem Profitstreben der endgültig Erwachsenem Unordentlich, aber zufrieden leben die vier jungen Leute in ihrem Idyll und nähren sich aus dem eigenen Garten. Doch die Bauspekulantin lauert schon. Als sich schließlich ein Helfer aus der Not findet, tut er des Guten entschieden zuviel. Sonnenenergie und Abwasserwärmeverwertung in der Hand von Technokraten veröden die liebenswürdige Wildnis stromlinienförmig und die alternativen Träumer haben ihren Lebensraum endgültig verloren. Am Ende stehen sie vor einem Atomkraftwerk. Wieviel Spaß ein solches Leben in der Natur machen kann, wird schon deutlich in diesem sympathischen, mitunter reichlich naiven Film – gedreht in Schamonis eigenem Berliner Haus –, doch gerät die Konfrontation mit der Außenwelt allzu schematisch. Horst Frank und Judy Winter agieren, anders als etwa die begabte junge Jacobine Engel, verkrampft als bloße Kontrastfiguren in diesem märchenhaften Rührstück in satten, grünen Farben.

Helmut W. Banz

Enttäuschend

"The Fog – Nebel des Grauens" von John Carpenter erinnert an eine Gespenstergeschichte, die man Kindern kurz vor Mitternacht am Lagerfeuer. erzählt – und beginnt auch so. Während ein graubärtiger Seebär noch sein Garn spinnt vom mit Gold beladenen Schiff der Leprakranken, das im Nebel durch ein falsches Leuchtfeuer in die Irre gelockt wurde, an den Klippen zerschellte und nach hindert Jahren wiederkehren wird, nähert sich eine seltsam leuchtende Nebelwand dem kalifornischen Küsten: nest, das sich gerade zur Hundertjahrfeier seiner Gründung rüstet... Die unvermutet auftauchende Bedrohung aus der Nacht verweist auf Carpenters Erfolgsthriller "Assault" und "Halloween", doch deren klaustrophobischer Kontext ist hier, kaum mehr gegeben: Nur durch eine angestrengte Parallelmontage werden die verschiedenen Handlungsebenen und Figuren zusammengehalten. "The Fog" beschwört mitunter faszinierend die halluzinatorische Aura eines Alptraums. Doch es scheint, als hätte Carpenter eine altmodisch anmutende Geistergeschichte im poetisch-phantastischen Stil der Val-Lewton-Filme der vierziger Jahre im nachhinein überarbeitet und auf sogenannte Publikumswirksamkeit getrimmt: mit nicht sonderlich originellen Schockeffekten aus demHorror-Fundus. Deren stete Wiederholung hat sich alsbald abgenutzt, und die Magie des mit lustvoller Gänsehaut erlebten Schauermärchens stellt sich nur selten ein – Helmut W. Banz