Von Erika Martens

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Es tut sich wieder einmal etwas zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG). Zwar will sich niemand der Beteiligten bereit finden, die Fama offiziell zu bestätigen. Insider aber wissen: Da ist was dran.

Immerhin gibt es bereits seit geraumer Zeit zarte Hinweise darauf, daß der Faden zwischen den beiden gewerkschaftlichen Konkurrenten gesponnen wird. So erklärte der DGB-Vorsitzende Heinz Oskar Vetter im Mai letzten Jahres in einem Interview: "Die Existenz einer unabhängigen DAG ist für mich immer ein historischer Irrtum gewesen, den ich stets bedauert habe." Und er meinte weiter: "In der DAG-Frage könnten sich die Spitzen durchaus einigen..." DAG-Chef Hermann Brandt gilt seit langem als Befürworter einer engeren Kooperation mit dem DGB. Beide Männer möchten – so vermuten Kenner – vor dem Ende ihrer Amtszeit noch einmal versuchen, den "historischen Irrtum" zu korrigieren.

Ein plausibles Interesse am Zusammenrücken der beiden Konkurrenten dürfte auch die SPD haben. Schließlich gibt es in der Partei zahlreiche prominente DAG-Mitglieder. Da kann es ihr nicht gleichgültig sein, in welche Richtung sich die DAG orientiert, wenn das SPD-Mitglied Hermann Brandt einmal nicht mehr die Zügel in der Hand hält.

Allerdings, in der SPD-Baracke in Bonn weiß man nichts von neueren Kontakten. Und vor der Bundestagswahl werde sich wohl auch nichts Konkretes tun, vermutet man dort. Daß aber zwischen den Spitzenvertretern beider Organisationen das Netz wieder einmal geknüpft wird, gilt auch in der Baracke als durchaus wahrscheinlich.