Im Füssener Land lassen sich Kur- und Freizeitvergnügen nicht auseinanderdividieren. Therapie und Ferienamüsement sind miteinander verflechten wie die Fäden eines Teppichs. Kurgäste werden zweifelsohne auch wandern und schwimmen. vielleicht segeln, Tennis und Minigolf spielen; Feriengäste mal ein Wassertretbecken durchwaten, der Kurmusik lauschen und Regentage beispielsweise im Lesesaal des wunderschönen neuen Kurhauses verbringen. Beide belassen die Kurkarte (sehr preiswert: 1,50 Mark pro Tag), besuchen Gastspiele und Kunstausstellungen und profitieren vom Nachtfahrverbot. Füssen-Bad Faulenbach mit den neuerdings eingemeindeten Erholungsdörfern Hopfen und Weissenseo (insgesamt 13 000 Einwohner) ist Kneippkurort und Sommerfrische, Mineral- und Moorbad, Luftkurort, Ferienidylle und Wintersportparadies in einem.

Daher; Den Kur- oder Urlaubsgast in strikter Definition gibt es nicht einmal in der Statistik, Die Zwillingsgemeinde (4800 Fremdenbetten) registriert jährlich 60 000 Ankunft? und 730 900 Übernachtungen, Kurdirektor Schiffbäumer schätzt: "60 Prozent Patienten."

Die Kur im Ferienland stützt sich auf je drei Indikationsbereiche, Therapien und Kurmittel. Siebzehn private. Kurbetriebe nebst einer öffent, lichen medizinischen Bäderabteilung des Kreiskrankenhauses verabfolgen Anwendungen nach Pfarrer Kneipp, der das Heil im Wasser predigte und praktizierte; bei Kreislaufstörungen, vegetativen Erkrankungen und nervösen Erschöpfungszuständen. Weitere Heilkraft geht von Bad Faulenbach aus, genauer: von den Moorschlammbädern und der Trink- und Badekur des Sanatoriums Notburga im Stadtteil Bad Faulenbach. Indikationen: rheumatischer Formenkreis, Frauenleiden und Blasenbeschwerden sowie Bindegewebskrankheiten, Hautleiden (Psoriasis) und Stoffwechselstörungen. Im Kurmittelhaus werden zudem Bäder, Güsse und Packungen der Kneippkur abgegeben,

Das Notburgaheim am Ufer des gletschergrauen Lech ist ein Bad im Bad mit 154 Betten und jährlich annähernd 50 000 Übernachtungen (Kapazitätsauslastung 90 Prozent). Als im Rezessionsjahr 1976/77 die Gästezahl in Füssen um 20 Prozent schrumpfte, entfielen davon acht Prozent auf das damals wegen Umbau und Modernisierung geschlossene Notburgaheim.

Das vorbildlich geführte Haus, zunächst Altersheim, seit 30 Jahren Sanatorium, gehört dem Diözesanverband der deutschen Haus-, angestelltenvereine, Schwaben. Unter dem nämlichen Dach praktizieren vier Ärzte. Es gibt zehn Masseure und über 50 Angestellte. Im eigenen Kurmittelhaus wird jedem Rheumapatienten jedesmal ein frisches Moorschlammbad bereitet, das verbrauchte Moor (pro Bad zwei bis drei Zentner) nicht wieder in Deponien eingelagert. Die heilsame Notburgaquelle (Calcium-Sulfat) sprudelt im Korridor. Die Küche bestreitet eine Speisekarte mit 18 Kostvarianten. Das Sanatorium Notburga wird zu 45 Prozent von Kassen belegt (BfA, Technikerkrankenkasse und DAK). Heimleiterin Wanner: "Die übrige Klientel, kann man fast sagen, sind Stammgäste."

In Füssen ist der Anteil privater Kurgäste (Patienten privater Versicherungen) verhältnismäßig hoch. Zwei weitere Sanatorien, die Vertragshäuser Kurzentrum und Möst mit 232 und 100 Betten, beherbergen auch Privatgäste – in der Füssener Gesamtstatistik: etwa ein Drittel (Kapazitätsauslastung der Kurgastbetten insgesamt; knapp 60 Prozent).

Die Gemeinde hat Anstrengungen unternommen, um als Kurort wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei einem Etat von 23 Millionen wurden in den vergangenen vier Jahren 30 Millionen Mark für Kur- und Fremdenverkehr ausgegeben, davon. 20 Millionen für das Kurhaus. Andererseits ist der Haushaltsplan für den Fremdenverkehr, gemessen an dessen Bedeutung für die kommunalen Finanzen, eher bescheiden dotiert: knapp zwei Millionen. Immerhin fließt der Gemeinde allein, durch die obligate Kurkarte jährlich mehr als eine Million Mark zu, die Kurverwaltung arbeitet mit neun Angestellten (ohne städtische Gärtner), Konzerte und Theaterabende werden nahezu kostendeckend veranstaltet.