Von Ben Witter

Prinz Louis Ferdinands "Wümmehof" im Bremer Stadtteil Borgfeld besteht aus Rasen. Gemäht wird nicht zu regelmäßig, und das weiß gekalkte Haus wurde erbaut, als es noch kein Gerede über Bungalows gab.

Wir gingen zur Wümme hinunter. Sie hat Ebbe und Flut und begrenzt das etwa 4000 Quadratmeter große Grundstück und mündet in die Weser. Louis Ferdinand verglich die Landschaft am anderen Ufer mit dem Frischen Haff und sagte: "Bei diesem Anblick sind meine Gedanken immer in Westpreußen... Doch wie gleichgültig die Wümme dahinfließt; was geheimnist man nicht alles in die Natur hinein."

Ich hätte ihn fragen wollen, wo er jeden Morgen reitet, aber seine Blicke-lagen auf dem Landungssteg des Bauern Schuhmacher nebenan, mit dem halb versunkenen Kahn. Der Prinz streckte seine Hand aus: "Henri Schuhmacher sagte stets ‚Kaiserliche Hoheit‘, in der Dorfkneipe duzte er mich jedoch... Ein Stück weiter liegt der Hof des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Wilhelm Kaisen. Die väterliche Freundschaft von Kaisen zu mir war unverbrüchlich. Hier fand unsere Flucht ihr Ende."

"Und wohin fliegen Sie täglich, Hoheit...?" – "Im Krieg war ich Blindfluglehrer und brachte es bis zum Oberleutnant, und die Verkehrsfliegerprüfung legte ich 1935 ab... Ich fliege möglichst jeden Tag mit meiner,Cessna 182‘ und genieße die Würde der Landschaft unter mir und die unerhörte Ruhe. Fliegen ist für mich orgiastisch..."

Er blieb unter einem Taubenschlag stehen: "Ich ging als Kind schon nicht gern zu Fuß und vermeide es, im Haus auf und ab zu gehen. Leider fahre ich auch zu wenig mit der Bahn, obgleich ich doch Ehrenpräsident der ‚Eisenbahnfreunde Hameln‘ bin. Sie erwarben den schrottreifen Salonwagen meiner Eltern und machten ein Klubheim daraus. In den USA wechselte, ich vor dem Krieg meinen Schlafwagenplatz öfter mit einem Platz zwischen den Lokführern. Und die Eisenbahner waren zu allen Zeiten besonders nett zu unserer Familie."

Unter zwei Farbstichen der Wilhelmstraße saß er nach einer halben Stunde. Seine Augen nahmen zu wenig Platz ein, die Stimme behielt den Ton zwischen Vorsicht und Resignation, und seinen Kopf neigte er auch im Sitzen nicht.