Nein, nachChina will ich nicht. Aber ich träume schon von China. Träume vom Tienanmen-Platz, auf dem ich – getrieben von Hunderttausenden schriller Klingeln, Fahrradklingeln – umherirre. Von allen Seiten greifen die Radfahrer an, es bleibt kein Weg. Das Tor zum Himmlischen Frieden ist ziemlich weit weg, dafür: Apocalypse now.

Vorderhand bin ich noch am Elbufer. Es schrillt links hinten, noch einmal, schon näher. Ein Schritt nach rechts, wo eine Pfütze bereit liegt, ein Fluch des zweiten Radlers, der seinen Vorstoß von dort lautlos eingeleitet hatte, ein Schmerz in der Seite, die Empfehlung von beiden, ich solle doch, solange es keinen als solchen bezeichneten Fußgängerweg gebe, meine Bewegungen etwas übersichtlicher gestalten.

Meiner Vermutung, es handle sich doch um einen Wanderweg, begegnet die Feststellung: Ja schon, um einen Radwanderweg. Wo denn sonst sollten sie fahren. Und Radfahren sei nämlich gesund, während das Zufußgehen nachgewiesenermaßen kaum körperertüchtigend wirke.

Ich lerne: Es war mein Fehler. Ich wollte – ohne jede ertüchtigende Absicht – ein paar Schiffe sehen und hatte dabei vergessen, daß, was gesund ist, Vorrang hat. Und während sich meine Missionare, nun beide klingelnd (auch Missionare sind lernfähig), auf den nächsten Bekehrungsversuch vorbereiten und dabei auf Opfer treffen, die gerade versuchen, frontal angreifenden Gesundheitsfanatikern auszuweichen, was wirklich komisch aussieht, kreist durch meinen Hinterkopf Verwirrt-Verwirrendes wie dies: Daß Vorrang mit Vorfahrt zu tun hat, Vorgang aber ein. Begriff aus der Aktendeckelsprache ist und demzufolge auf das Elbufer nicht anwendbar. Das (oder ich) hätte so weitergehen können. Aber ich fahre lieber nach Hause. Mit dem Auto.

Und das an einem Sonntag, den grünliche Politiker zum autofreien deklariert haben, wofür eine Verordnung oder ein Gesetz anzufertigen sie jedoch versäumt hatten. Doch wo ein Wille ist, braucht es kein Gesetz. Jedenfalls dann, wenn es sich um den rechten Willen handelt, also um den des Radfahrers.

Eine entsprechende nachdrückliche Belehrung erfahre ich nach, einem erfolgreichen Bremsmanöver, das einem mir die Vorfahrt nehmenden Radfahrer die erstrebte Gesundheit und mir den Schadenfreiheitsrabatt beläßt; spürbar erregt, schreit er: "Sie dürfen nicht Auto fahren."

Ich ferner Es war mein Fehler. Der Radfahrer war an die Stelle des fehlenden Gesetzes getreten und infolgedessen auch berechtigt, bestehende Vorschriften, wie sie sich in der Straßenverkehrsordnung in reicher Zahl finden, außer acht zu lassen.